Der panoptikum Festivalblog
Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen Festivalblog. Schüler*innen im P-Seminar des Labenwolf Gymnasium Nürnberg sind 4 Tage unterwegs um Theater anzuschauen und darüber zu schreiben. Begleitet werden sie von Manfred Jahnke, erfahrener Theaterkritiker (Die Deutsche Bühne) und Journalist, der bei der Festialausgabe 2024 diesen Blog eröffnete.
Als erste Einträge in diesem Jahr zeigen wir hier zwei Besprechungen zu "Nos petits penchants / Unsere kleinen Schwächen" von der Cie. Des Fourmis dans la Laterne:
Von Konstanze Sticht
Ein Verwandter oder Freund drückt dir ein Buch in die Hand. Auf dem Cover steht: „Soyez hereux!“ – Sei glücklich! Kann man das Glück aber so pauschal in einer Anleitung vermitteln?
Am vierten Februar wird abends im Theater Salz+Pfeffer ein Figurentheaterstück aufgeführt, ein faszinierendes Stück mit dem Titel „Nos petits penchants“ (dt.: Unsere kleinen Schwächen). Darin veranschaulichen drei Spieler der französischen Gruppe Des Fourmis dans la Laterne in einem Puppentheater, das ohne Worte auskommt, die Welt von „nos petits penchants“.
Die Hauptrollen sind sieben entzückende, handgemachte Puppen. Ihre Namen sind nur aus einem ergänzenden Heft bekannt, mithilfe von Geräuschen, Bewegung und teils Mimik wird den Figuren Leben und Menschlichkeit eingeflößt, auch wenn die Körper und Bewegungen der Figuren oft übertrieben und überzeichnet sind.
Als roter Faden zieht sich die Suche nach dem Glück durch das Stück. Ein Buch, „Soyez hereux“, soll mit sieben Regeln zum Glück verhelfen. Im Laufe des Stücks erkennen die Charaktere jedoch nach und nach, dass Glück nicht in übermäßigem Konsum, körperlicher Perfektion oder absoluter Kontrolle besteht. Stattdessen ist es die Nähe einer Katze, die (neu entdeckte) Liebe eines Partners oder die Hilfsbereitschaft des Nachbarn, die glücklich und zufrieden machen. Glück ist also vielfältig und indiv style="display: none"iduell und kann nicht an Kriterien festgemacht und mithilfe von Regeln erlernt werden. Kritik übt das Stück damit am gesellschaftlichen Druck, der in Form von persönlicher Optimierung und Perfektion das Glück erzwingen will.
Eine der Figuren, Balthazar, verliert sich schließlich selbst unter diesem Druck, der durch eine kleine Puppenversion seiner selbst verkörpert wird, bis sich sein Zustand zunehmend verschlechtert. Doch dabei bleibt es nicht, die Heilung kommt in Form eines kleinen vierbeinigen Gefährten und eines Nachbarn.
Die drei Darsteller, Pierre-Yves Guinais, Yoanelle Stratman und Iseult Clauzier, erwecken das Stück durch flotte Figuren und magische Hände zum Leben. Mit winzigen Gesten, welche sich auch in den Gesichtern der Spieler widerspiegeln sowie mit Geräuschen, die Menschen und Tiere bewusst oder oft auch unbewusst von sich geben, zum Beispiel kurze Seufzer, ein Schrei, aber auch das Miauen einer Katze, animieren die Spieler ihre Figuren mit viel Hingabe. Jede Figur kämpft dabei mit ihrer jeweils eigenen Imperfektion, körperlich oder charakterlich, sodass es den Spielern gelingt, dass vor den Augen der Zuschauer jede Figur ein ganz eigenes Indiv style="display: none"iduum wird. Die Bewegungen der Figuren sind fließend und erinnern oft an Clay-Motion-Filme, die Bewegungen so emotionsreich, dass man seinen Blick nicht von den faszinierenden Puppen nehmen kann und mag.
Nicht nur die Spieler und ihre Puppen tragen zu dieser magischen Atmosphäre von „nos petits penchants“ bei, sondern auch das fantastische Bühnenbild: Zwei Tische links und rechts auf der Bühne, auf denen sich kleine Szenen abspielen und in der Mitte der Bühne fünf große Objekte, die auf der einen Seite die Köpfe der Puppen, auf der anderen ihre Häuser abbilden. Diese Kopf-Haus-Objekte befinden sich fast bis zum Schluss des Stücks stets auf unterschiedlichen Höhen, thronen über dem Publikum und spielen darauf an, dass manche über den anderen stehen, besser sind als andere oder sich zumindest als übergeordnet fühlen. Die vermeintlich glücklichste Figur, der Autor des Buches „soyez hereux“ ganz oben, die ältere, griesgrämige Dame am weitesten unten. Die Dominanz der Objekte in der Mitte, die immer zwischen den Szenen, die sich rechts und links auf den Tischen abspielen, bespielt werden, legen den Schwerpunkt darauf, dass es den Figuren an Erkenntnis mangelt, wie das indiv style="display: none"iduelle Glück zu erreichen sei. Am Ende erkennen alle Charaktere, dass sie ihre je eigene Reise zum Glück machen müssen und alle Köpfe, die zuvor auf unterschiedlichen Höhen angesiedelt waren, begeben sich symbolisch auf eine, die gleiche Ebene.
Die Lichter, die in den Häusern auf der Rückseite der Objekte zu sehen sind, sind von innen hübsch beleuchtet. Kleine Lichter spielen auch eine wichtige Rolle. Denn die Puppen glücklich darzustellen ist ohne beweglichen Mund und Gesichtszüge schwer zu erreichen, und so wird klar, dass die Figuren glücklich sind, indem kleine Lichter in der Nähe ihrer Herzen aufblinken.
Die unglaubliche Passion und Arbeit der Spieler und des ganzen Teams begeistern das Publikum und deshalb gibt es am Ende für die Aufführung, die mit viel Emotion, gesellschaftlicher Kritik und magischem Puppenspiel Jung und Alt gleichermaßen in seinen Bann zieht, zurecht großen und langen Applaus.
Von Valentina Frei
Wie wird man als Mensch vollständig glücklich? Eine Frage die einige durch das ganze Leben begleitet.
“Nos petits pechants”, ein Figurentheaterstück der “Compagnie Des Fourmis dans la Lanterne”aus Lille greift dieses für viele Menschen komplexe Thema auf.
Zu Beginn wird eine der fünf Hauptfiguren, der scheinbar perfekte Viktor, gezeigt, der ein Buch mit sieben Schritten zum Glück vorstellt. Der Inhalt dieses Buches begleitet uns durch die gesamte Handlung. Zum Beispiel soll man, um glücklich zu werden, komplett auf negative Emotionen verzichten und seinen eigenen Traumkörper formen.
Die Inszenierung dieses Stückes zeigt durch die für den Zuschauer lebendig wirkenden Figuren, wie jeder Mensch seine eigenen Besonderheiten hat und erfasst geschickt, wie auch gesellschaftlich im realen Leben vom modernen Menschen gefordert wird, perfekt und glücklich zu sein. Diese Erwartungshaltung kann schnell zu Perfektionismus führen und uns von innen zerstören. Brillant gezeigt wir es am Beispiel der Figur Balthasar, der mit seiner inneren Stimme, Mini-Balt, an seinem überfordernden Streben nach Glück verzweifelt. Weitere unangenehme, aber menschliche Macken werden bei jeder Figur in der bürgerlichen Nachbarschaft gezeigt. Der alte Alfred meint zum Beispiel, sein Glück im in unserem Zeitalter fast gängigen Überkonsum zu finden.
Eine Besonderheit in der künstlerischen Darstellung ist, dass während des Stücks kaum gesprochen wird. Nur die Stimme eines Sprechers vom Bandliest die sieben Regeln zum Glücklichsein vor und es wird gezeigt, dass man trotz sparsam verwendeter Sprache eine Geschichte ganz hervorragend verständlich vermitteln kann.
Die im Hintergrund spielende Musik schaffte bei jedem Wechsel eine zur Situation passende Stimmung.
Mittig befinden sich anfangs vier, später fünf Gerüste mit Objekten darauf, jedes eine Figur der Geschichte symbolisierend, auf einer Seite das Gesicht und auf der anderen das Zuhause der vorkommenden Figuren zeigend.
Obwohl die Gesichter der drei Spieler stets zu sehen sind, gelingt es ihnen geschickt, die Aufmerksamkeit des Publikums durch Licht und Spiel auf die Puppen zu lenken.
Metaphern werden clever visuell umgesetzt. Alfred verliert in einer Szene wortwörtlich den Kopf. Die Findung des eigenen Glücks wird mit dem Aufleuchten des Herzens gezeigt. So wird es den Figuren bildlich warm uns Herz.
Mit dem, im Dunklen ein- und ausgehenden Licht werden präzise Orts- und Zeitwechsel verdeutlicht.
Das einzigartige Aussehen der Figuren prägt sich beim Zuschauer gelungen ein und gibt dem Stück ein klares Wiedererkennungsmerkmal.
Als schlussendlich die Nachbarn gemeinschaftlich ihr Glück finden, lässt sich mitnehmen: Glück vervielfacht sich, wenn man es teilt. Auch egal, wie du aussiehst oder bist, du musst nicht einer Vorgabe entsprechen, denn unsere kleine Macken machen uns einzigartig.
Eine von Anfang bis Ende, vor allem für Liebhaber von skurriler Kunst, sehenswerte und zum Nachdenken anregende Vorstellung mit viel Freiraum für die eigene Interpretation.
Review of „Pembo- Halb und halb macht doppelt glücklich“ vom Jungen Theater Ingolstadt
von Jocelyn Junaidy
Performed at the Tafelhalle on 4th of February 2026, held by organizer of Festival Panoptikum.
„Pembo” is written by Ayse Bosse. She’s an author of many children’s books and was born in Frankfurt. The show is played by Junges Theater Ingolstadt. Its director is Niko Elftherladis.
The play tells the story of Pembo who has a German mother and a Turkish father. She and her family have to move from Turkey to Germany when her father inherits a hair salon in Hambourg. There, the family struggles with the new beginning and faces financial problems. However, things slowly begin to change and Pembo can make new friends. In the end Pembo doesn’t have to choose whether she’s Turkish or German, boy or girl. The story tells us about the challenge of growing up and living with different cultures and shows the importance of friendship and family.
The actor who played Pembo successfully showed her character as a kid through her movements and body language. Pembo and her parents, Mustafa and Mona Mutlu, each play one role, but the other players play more than two like Pembo’s friend and her uncle. Lots of players jump around a lot and act wildly.
The stage design of „Pembo“is special. There are many seat cushions all over the stage, where also lots of viewers take a seat and as a result physically become part of the play. Two monitors, two cameras and microphones, e.g. used as telephones, add up to a mostly functional and the plot supporting use of technical devices. The music included traditional Turkish music that especially at the end, when everybody was supposed to stand up and start dancing with the cast, did not only suit the content of the play but also put people in a good mood.
Overall, the performance in the Tafelhalle was really great and the play can be recommended to students and to people of different ages.
Besprechung zu „Sawdust Symphonie / Symphonie der Sägespäne“
von Elias Bohne
Drei Männer, begeisterte Heimwerker, die sich eher ihrem Impuls, anstatt ihrer Vernunft bedienen, kommen hier zusammen und verdrehen einem jeden Zuschauer und Zuhörer den Kopf, weil sie durch ihre Willkür und die anscheinend fehlende Handlung, jeder Logik trotzen. Dennoch sieht man gebannt dem Stück zu, welches durch mehrere witzige Szenen raffiniert die Spannung und damit auch die Konzentration hält. Aufgeführt wird dieses Stück zum diesjährigen Panoptikum 2026 in Nürnberg, die Namen der drei Künstler sind Michael Zandl, David Eisele und Kolja Huneck.
Am Anfang ist die Geschichte des Stücks recht einfach. Mit viel Ruhe und Gelassenheit kommen die drei Künstler auf die Bühne und fangen an, mit Holz einen Stuhl zu bauen und zwar im Wettstreit, wer der erste sei und wer am besten bauen könnte. Ab dann gibt es nur noch Chaos. Durch versteckte Eingänge auf der Bühne verschwinden die drei Schauspieler immer wieder und oft sieht man nur einen von Ihnen auf der Bühne. Die drei stellen dabei auch jeweils verschiedene Interessen da. Einer von ihnen ist der typische begeisterte Handwerker, der mit Ruhe und großer Hingabe auf der Bühne werkelt. Der nächste liebt seinen Hammer und hat ein persönliches Problem mit Nägeln. Der letzte hingegen springt geradezu immer auf die Bühne, getränkt in Leim. Dieser kann wohl gar nicht genug davon haben, sich in seinem Leim zu suhlen. So wechseln sich alle drei Schauspieler immer wieder gegenseitig ab, und man erfährt über alle drei Persönlichkeiten etwas Neues.
Auch unter der Bühne geschieht viel Magie. Aus dem Nichts kommen Nägel hervor, aus dem Nichts fliegen Hammer herum und die Schauspieler springen durch versteckte Ein- und Ausgänge. Andererseits versuchen unsere drei Künstler zwar, die Spannung mit stetigen Witzen zu halten. Dennoch sind die Szenen manchmal langatmig und schon nach der Hälfte der Aufführung Zeit wünscht man sich, es würde etwas Neues dazukommen oder das Stück würde enden. Zudem fehlt ein klarer Handlungsstrang und dadurch scheint das Ende sehr abrupt und nicht wirklich überraschend. Die drei Handwerker sind dann wieder zusammen auf der Bühne und gehen jeder seiner eigenen Tätigkeit nach. Keine Überraschung, keine Dialoge, dafür aber viele Fragen. Schauspielerisch und artistisch gesehen, leisten die drei Männer bemerkenswertes. Empfehlenswert ist dieses Stück allerdings nur für jene, die etwas Neues sehen wollen, Fragen nach einem tieferen Sinn sollte man sich aber nicht stellen.
von Emelie Engel
Kennen Sie vielleicht den nerdigen Nachbarn von nebenan, der für nichts außer seiner Leidenschaft zu leben scheint? Darin so aufblüht, als sei es sein Ein und Alles? Vielleicht ist es auch ihr Onkel, ihre beste Freundin, oder sogar Sie selbst? In „Sawdust Symphony“ übernehmen diese Rolle drei Heimwerker, gespielt von Michael Zandl, David Eisele und Kolja Huneck. Und während sie sägen, hämmern oder kleistern, liegt immer eine Prise Konkurrenz in der Luft.
In „Sawdust Symphony“ erwartet das Publikum kein klassisches Theaterstück, viel mehr eine Art Zirkus mit Tanz, Akrobatik und Zaubertricks. Diese führen die drei Darsteller gekonnt dem Publikum vor. Auch Special Effects sorgen für Überraschungen. Die Charaktere werden konsequent stark überzeichnet, was zu einer Wiedererkennung beim Publikum führt. Doch dieses wird manchmal mit zu wenig Abwechslungsreichtum gespielt, was dem Ganzen etwas den Witz nimmt. Dasselbe gilt auch für die Handlung, in der sich die Witze wiederholen und die Szenen manchmal zu lange andauern, was dazu führt, dass die Aufmerksamkeit nachlässt.
Außerdem fehlt dem Stück ein klarer Handlungsstrang. Nichtsdestotrotz herrscht ein gewisser Aufbau, indem am Anfang alle Heimwerker auf der Bühne erscheinen und die bestehende Konkurrenz vermittelt wird. Im Laufe des Stückes treten die Spieler größtenteils alleine auf und zum Ende hin finden sich nacheinander alle wieder auf der Bühne ein.
Ein wichtiger Bestandteil des Stückes ist der vielfältige Gebrauch von Humor und Ironie. Hier darf nichts allzu ernst genommen werden. Der leichte Humor von zweien der Heimwerker steht im starken Kontrast zu dem speziellen Humor des Dritten. Schon zu Beginn hebt dieser sich von den beiden anderen ab und zeichnet sich durch schwarzen, teilweise brutalen und ekelerregenden Humor aus.
Zusammenfassend betrachtet ist „Sawdust Symphony“ ein Stück, dessen Umsetzung sicherlich nicht jedem gefällt und nicht unbedingt für Kinder geeignet ist. Denn neben den einzelnen, manchmal langatmigen Szenen und dem teilweise sehr lauten Sound ist der spezielle Humor nicht auf Kinder zugeschnitten. Eher geeignet ist es deshalb für Jugendliche und Erwachsene.
Besprechung zu "Minuit - Mitternacht"
von Angelina Konoshenko
Vermutlich kennt jeder Mensch folgende Situation: Man steht mit sich selber oder einer anderen Person in einem Konflikt und fühlt sich dabei förmlich zerrissen. Genau dieser innere Konflikt wird in dem Stück ,,Minuit” behandelt und mit der Kombination aus Musik und Illustration schafft es Regisseur Leo Thiebaut hier, auch ganz ohne Worte auf eine sehr gelungene und ästhetische Weise darzustellen, wie ein Junge den Weg der Zerrissenheit und letztendlich auch der Heilung geht.
Bei der Vorstellung der Stücks in der Kulturwerkstatt auf AEG am 05.02.2026 konnten die Zuschauer*innen erleben, wie man zu Beginn zunächst musikalisch in das Stück hineingeführt wird, bevor schließlich die Illustratorin Coline Grandpierre beginnt, die Geschichte des Jungen mit ihren Bildern zu erzählen. Mithilfe der Musik schaffen Florence Kraus am Klavier, Sopran- sowie Altsaxophon und Gregoire Terrier an der Gitarre von Beginn an eine sphärische Atmosphäre, welche einen direkt in ihren Bann aus Jazz und elektronischer Musik zu ziehen scheint. Die richtige Erzählung der Geschichte beginnt, sobald die Illustratorin mit ihren ersten Zeichnungen beginnt: Sie zeichnet live die Bilder des Jungen und seiner Gedanken- und Gefühlswelt, wobei die Musiker diese immer mit ihren Instrumenten und auch durch verschiedene Percussion-Werkzeuge untermalen und die Dramatik der Geschichte unterstützen.
Das Bühnenbild ist sehr schlicht gestaltet: Auf der Fläche selbst befinden sich zwei Tische mit den Instrumenten und Werkzeugen der drei Schauspieler und an einem Bildschirm an der hinteren Wand kann man den Zeichenprozess der Illustratorin mitverfolgen, welche mit verschiedenen Farben, Stiften und teilweise auch mit einem Tablet arbeitet. Die jeweils handelnden Akteure werden beleuchtet, sonst passiert auch im Bereich des Lichtes nicht viel.
Gesprochen wird nicht: Dennoch schaffen es die drei Schauspieler rein durch das Bedienen ihrer Instrumente oder durch die Art des Zeichnens, verschiedene Stimmungen mitreißend rüberzubringen. Besonders begeistern konnte das Zusammenspiel der Schauspieler: Allen dreien konnte man ansehen, dass ihnen der Prozess auf der Bühne Freude bereitet und die freundschaftliche Harmonie zwischen ihnen war deutlich spür- und sichtbar.
Die Botschaft des Stückes wird in Anbetracht all dieser zusammenkommender Komponenten schließlich wirklich schön und plausibel rübergebracht: Der Mensch muss lernen, mit seinen Emotionen und Gefühlen umzugehen: Sowohl mit den ,,bösen/schlechten”, als auch mit den ,,guten”. So kann die Person schlussendlich als die Persönlichkeit, die sie ist, existieren, ohne eine der beiden Hälften verdrängen zu müssen.
Auch die Größe des Interpretationsspielraumes hat in der Aufführung gefallen: In vielen Momenten wird es der Fantasie der Zuschauer überlassen, was oder auch wer z.B. der Auslöser einer Konfliktsituation ist; so wird einem die Möglichkeit geboten, mit eigenen Gedanken selbst mitzuwirken.
Abschließend kann die Empfehlung für dieses Stück nur noch einmal betont werden: Sowohl für Kinder als auch für ältere Leute geeignet, schafft ,,Minuit” es, die Zuschauer mit seiner eigenen Ästhetik und Atmosphäre in den Bann zu ziehen, ohne die Bedeutung der Geschichte außer Acht zu lassen.
Besprechung zu "Der bleiche Baron - De bleke Baron“ vom Theater Kopergietery
von Valentina Frei
"Die Welt ist ein Laden und ein Laden soll laufen!”, so lautet das Motto des Unterwasserstaates, der einer Diktatur nur zu ähnlich zu sehen scheint. Hier leben die zwei Musiker Felix, gespielt von Joeri Cnapelinckx, und Felka, gespielt von Anna Vercammen. Zusammen rebellieren sie gegen den Staat und werden in der aufkommenden Spannung immer mehr mit Gefahren durch Gesetze des auf der Bühne nie zu sehenden Staatsoberhauptes, dem überlegenen bleichen Baron konfrontiert.
Auf einer vom Staat gefertigten Liste stehen alle “Minderwerte”, vor allem Dichter und Künstler, die nichts Besonderes zu leisten scheinen, und deshalb vermeintlich nicht in den Unterwasserstaat gehören. Die Bürger der Unterwasserstaates werden in zwischendurch eingespielten, propagandistischen Radiosendungen dazu aufgefordert, solche Personen zu melden. Felka ist als eine, die nicht im Unterwasserstaat geboren ist und als Musikerin sogar doppelt von der angedrohten Entfernung aus dem fiktiven Staat betroffen.
Im Laufe der Geschichte verschlimmert dich die Situation im Land und die Rechte der sogenannten Minderwerte werden immer mehr eingeschränkt. Im Land dürften diese nur bleiben, wenn sie einen Nutzen bringen. Der Mensch wird hier also deutlich auf seine Leistung und Nützlichkeit reduziert.
Aber auch dass die Meinungsfreiheit in der Unterwasserwelt deutlich eingeschränkt ist, wird den Zuschauern von Beginn an vermittelt. So erinnern verschiedene Aspekte an einen typischen autoritären Staat.
Die geschickte Thematisierung von Entwurzlung, Diskriminierung und einem ungleichen Machtverhältnis zwischen Staat und Bevölkerung in Kombination mit live gespielten Songs, die politische Texte haben, ist beeindruckend. Zusätzlich bringen humorvolle Wortspiele ansprechende Kontraste zu dem ernsten Inhalt.
Viele Kinder im Publikum scheinen noch nicht mit solchen Themen konfrontiert worden zu sein, vielleicht ist die Kritik des Stücks an autoritären Systemen aber für die Kleinen auch recht klar und verständlich ohne pädagogische Einordnung. Dennoch ist wichtig, dass sie bereits im Grundschulalter in Berührung damit kommen und sich der Relevanz von Menschenrechten und Demokratie bewusst werden.
Die zu Beginn interaktive Einbeziehung des Publikums sorgt vor allem unter den Kindern für Freude und Aufregung. Doch Bühneneffekte, wie unerwartet aufleuchtendes Licht führen zu Schrecken und Unbehagen unter den Kindern, die teils laute und rockige Musik wirkt sehr anregend und so herrscht immer wieder große Unruhe im Publikum, die nicht immer leicht einzufangen ist von den Spielern und ihrer Geschichte.
Die Parabel lässt mit einem offenen Ende einen weiten Raum für eigene Interpretation und bringt den Zuschauer zum Nachdenken.
Vielleicht bringt das Stück mehr junge Leute dazu sich Gedanken darüber zu machen, in welcher Gesellschaft wir jetzt und zukünftig leben wollen.
Besprechung zu "18'34 - 18 Minuten 34 Sekunden" von Cie. Arcosm
von Ela F.
Ein lebendiges, aber zugleich auch ruhiges Stück: „18’34“ erzählt von Eliot (gespielt von David Arribe) und seinem Leben, von der Zeit und den Werten, die ein wertschätzender Mensch hat.
Dieses Theaterstück kombiniert energiereichen Tanz mit ruhigen Momenten, getragen von Eliots Monologen oder Dialogen mit anderen Figuren. Leider ist es sehr schlecht synchronisiert, die deutschen Übersetzungen folgen zeitversetzt auf die französischen Originaltexte, sodass man dem Stück manchmal nur schwer folgen kann. Anfangs könnte man denken, es gehe um einen Mann, der von seiner Kindheit erzählt und davon, wie er als Schüler gemobbt wurde. Die Tänzer spielen gemeine Schüler, benutzen dabei bewundernswert ihren gesamten Körper und bewegen sich geschickt.
Doch nach der ersten Hälfte fängt man an, nur noch wenig zu verstehen. Von einem Höhepunkt ist leider auch nichts zu spüren. Das Einzige, das den Puls höherschlagen lässt, ist der hektische Tanz – doch eher, weil dieser mittlerweile etwas erschreckend wirkt. Die Tänzer sehen bald Tollwütigen ähnlich. Ihre Augen sind weit aufgerissen und ihr Blick wirkt verstandlos.
Durchatmen lassen einen die ruhigen Etappen und die säuselnde Stimme von David Arribe, doch sein Text ist, wie gesagt, auch nur schlecht zu verstehen. Gänsehaut bereitete die Musik: mal tief und dröhnend, mal melancholisch-instrumental, immer stimmungsvoll. Zum Schluss hin gibt es schöne Momente mit Licht, Musik und wiederum schönem Tanz – alles gut aufeinander abgestimmt. Dadurch entsteht zwar ein schöner Abschluss, doch wirklich befriedigend ist er nicht, denn es bleiben viele Fragen offen, trotz einer gelungenen schauspielerischen Leistung von David Arribe!
Besprechung zu "Ginger" von Nevski Prospekt
von Ela F.
Jeder hat ein Idol, Träume und Wünsche, denen er nacheifert oder an denen er sich orientiert. Ives Thuwis hat auch einen Traum: Er möchte noch einmal wie Ginger Rogers aus dem Film „Cheek to Cheek“ tanzen.
Zusammen mit Jotka Bauwens durchlaufen beide einen Rollenwechsel nach dem anderen. Viele verschiedene Requisiten sind Hauptbestandteil der Vorführung, vor allem Klamotten und Accessoires. Mal sehen wir ein freizügiges Outfit, mal zieht sich Ives eine Glitzerhose über den Kopf. Ihr Verhalten wirkt wie ein Katz-und-Maus-Spiel; sie jagen sich, sie necken sich, sie albern herum und haben Spaß zusammen.
Oftmals taucht Ginger Rogers mit ihrem Tanzpartner auf – projiziert auf verschiedene Flächen, nicht nur auf Leinwände, sondern auch auf Kleidungsstücke und sogar die Glatze von Ives Thuwis. Ives' Traum wird durch diese Projizierungen dem Publikum immer wieder ins Gedächtnis gerufen. Das Publikum lacht häufig, das Stück erzeugt eine gute Stimmung. Die immer wieder wechselnde Musik hält diese Stimmung aufrecht und macht Lust zu tanzen.
Das Ensemble weiß, dass es eine enorme Körperkontrolle hat und wie es sich zu bewegen hat. Es fällt auf, dass Jotka oft in Männerrollen schlüpft und Ives in die von Frauen. Ein schöner Wachmacher: „Sei, wer du möchtest!“
Ives' Traum erfüllt sich zum Schluss: Er tanzt genau wie Ginger in einem schönen, weißen Federkleid. Jotka zieht ein Sakko an und ist Ives’ Tanzpartner. „Ginger“ ist ein sehenswertes Stück, das zum Schmunzeln einlädt!
07.02.2024
Festivaleröffnung mit starken Themen
Was für ein Start in die dreizehnte Ausgabe des Festivals Panoptikum! In den Festreden der Nürnberger Kulturdezernentin Julia Lehner, der ASSITEJ-Vorsitzenden Jutta M. Staerk und der Festivalleiterin Andrea Maria Erl ging es um ähnliche Themenbereiche: die Wichtigkeit eines Theaters für ein junges Publikum, die bedrohliche (welt-)politische Krisenlage, die finanzielle Untersubvention der Theaterkünste und um die einmalige Situation, die in Nürnberg gegeben ist. Was Theater für ein junges Publikum kann, zeigte dann das gastgebende Theater Mummpitz in seiner Koproduktion mit der Cie. Gare Central aus Belgien und der ADK Bayern aus Regensburg. Agnès Limbos, die Regisseurin, hält in Europa eine Spitzenposition wenn es darum geht, kleine Gegenstände – Plastikfiguren, kleine Häuser – im Spiel zu animieren. Was zunächst wie ein Spiel von (erwachsenen) Kindern mit kleinem Spielzeug daherkommt, wird plötzlich zu Handlungen zwischen Erwachsenen.
In ihren Produktionen entwickelt Agnès Limbos immer neue Variationen zu diesem Grundthema. In „Memories“ sind am Anfang vier quadratische, rollbare Tische zu sehen, auf denen Requisiten ausgestellt sind wie eine Tasse, ein Vogel, eine Kaffeedose oder ein röhrender Hirsch aus Porzellan. In diesen Requisiten verbergen sich die Geschichten von Menschen, die in Szenen mit einfachen Mitteln erzählt werden, eben die „Memories“. Es sind nicht immer gute Erinnerungen – z.B. bei dem Untergang der Titanic. Aber verblüffend ist, mit welcher Leichtigkeit das Ensemble ihre Geschichten spielt und dabei ganz große Emotionen beim Publikum entstehen, weil erst durch die Leichtigkeit eine Rezeption der eigentlich traurigen Erinnerungen positiv möglich wird.
Toll, wie dieses Ensemble sich ergänzt, zu einem spielerischen Flow findet und dabei einen genauen Spielrhythmus einhält. Schaurig schön ist das, was Michael Bang, Lennart Gottmann, Christine Mertens, Zoé Neve und Sabine Zieser auf die Bühne bringen. Jede(r) dieser Darsteller:innen spielt ihre Rollen leicht karikierend und doch so, dass man als Zuschauer emotional ergriffen wird. Toll! Ein toller Start in die dreizehnte Ausgabe von „Panoptikum“.
08.04.2024
Große Kunst aus Frankreich
Am zweiten Tag des Festivals „Panoptikum“ habe ich drei verschiedene Gruppen aus Frankreich gesehen. Um es vorweg zu nehmen, alle drei Inszenierungen entwickelten eine Magie, die mich fesselte und die mit ihren ästhetischen Konzeptionen überzeugten.
In „Un ocean d’amour“ führt die Cie. La Salamandre das Publikum in die Welt eines Archivs. Zwei Männer in grauen Arbeitskitteln bauen beim Einlass und weit darüber hinaus eine Menge an Papierschiffen. Während Samuel Lepetit die Schiffe faltet, geht Christophe Martin mit einem roten Roller über das Material, entfaltet dann das so gewalzte Papier zu einem Schiff. Dafür erhält er jeweils einen anerkennenden Blick von seinem Partner, der ihn kurz anlächelt, bevor es in die nächste Produktion eines Papierschiffes geht: ein eingespieltes Team, das sich vertraut und in seinem Archiv wohl fühlt. „Un ocean d’amour“ arbeitet auf der schauspielerischen Ebene mit zarten Momenten einer Clownskomik, auf der Ebene des Materials mit allen möglichen Formen des Papiers. Da werden die Schiffe immer kleiner, das Meer besteht aus Papierbahnen, die man wegziehen kann. Ein Ozeanriese erscheint als großes gemaltes Bild in einer Dokumentenmappe, ein geheimnisvolles Schiff wird aus dunkler Pappe aufgeklappt. Selbst die Umweltverschmutzung des Meeres wird mit alten, brüchigen Papiermassen dargestellt.
Die eigentliche Handlung ist rasch erzählt. Monsieur fährt jeden Morgen zum Angeln, doch der Motor – lautmalerisch toll von Christophe Martin unterstützt – fängt an zu stottern und fällt ganz aus. Ein merkwürdiges Schiff fährt über sein Boot. Währenddessen wartet Madame. Auf der Suche macht sie auf einen Ozeanriesen eine Reise nach Kuba. Ihr Mann hat das Schiffsunglück überlebt, der Motor springt wieder an und er kehrt in ein leeres Zuhause zurück. Als Madame von der Reise zurück kommt, renkt sich alles wieder ein. Diese Geschichte ist entwickelt nach einem Comic von Grégory Panaccione und Wilfried Lupano, die von einer Odyssee in der Gegenwart erzählt. Zusammen mit ihren grandiosen Schauspielern mit ihrer präzisen Komik entwickelt Anne Raimbault in ihrer Regie eine anrührende Geschichte mit zwei Flachfiguren (Monsieur und Madame) und vielen Schiffen aus Papier. Was besonders fasziniert am Spiel von Lepetit und Martin ist, wie sie untereinander Blickkontakt halten und gleichzeitig zu ihrem Material, das sie animieren. Toll gemacht.
Auch in der Aufführung „All die kleinen Dinge“ der Cie Blabla Production sind von Band Meeresrauschen und Möwenschreie zu hören. Das Ambiente des Bühnenbilds erinnert an Strandgut , da sind nach vorne die aufgeschichteten Steinfiguren, ausgebleichte Äste liegen herum, eine Schaukel mit ihrem Gerüst (Bühnenbild: Sébastien Rocheteau und Fabian Coulon). Daneben gibt es aber auch einen Koffer, Kannen oder eine Vase mit einer weißen Blume. Am Anfang nimmt Fabian Coulon, der nicht nur spielt, sondern sich auch für Konzept und Regie verantwortlich zeigt, die Blume und tanzt mit ihr zu einer wunderschönen Opernarie. In seinen Bewegungen mit der weißen Blume erinnert Coulon an Marcel Marceau.
Dieser tänzerischen Pantomime am Anfang folgen dann Aktionen, die an Materialtheater erinnern. Mit festem Seifenschaum zaubert er Figuren, wie beispielsweise ein kleines Mädchen, das auf der Schaukel sitzt. Coulon bewegt sich tänzerisch durch den Raum und schafft überall neue Figuren, lässt auch Sand in einem engen werdenden Kreis herabrieseln: Fast alle Dinge, die im Raum sind, werden angespielt, geformt, auseinandergenommen und neu performt. Es entsteht dabei eine Bilderflut, die mit immer neuen Überraschungen arbeitet, bis er am Ende das Spiel mit der weißen Blume wieder aufnimmt. Manchmal hätte ich mir ein Innehalten gewünscht, gewünscht, dass ein Bild auch einmal länger für sich stehen bleibt. Fabian Coulon reißt einen mit. Und, wie er mit dem Seifenschaum zaubert, schafft starke poetische Momente.
Aus dem Staunen komme ich auch bei „Fast im Nichts“ der Cie Manie nicht heraus. Am Anfang wird eine Sequenz immer wiederholt, ein Mann schlägt auf einem Tisch ein Tuch aus, holt aus einem geheimnisvollen Untergrund Teller, Becher, Teelöffel und eine Trinkflasche hervor, die zugleich wieder im Black verschwinden. Die Wiederholungen werden hektischer, plötzlich taucht ein Jonglierball auf, die Gestalten hinter dem Tisch verändern sich, ein junger und ein älterer Mann tauchen auf, vereinen sich und lösen sich wieder auf: Es geht hier um einen Mann in den besten Jahren, gespielt von Vincent Regnar, der plötzlich in eine Lebenskrise gerät, der im Augenblick weder seine Vergangenheit reflektieren kann noch Zukunftsträume hat.
Aber nun sind sie da, die drei Lebensphasen, aufgespalten in drei Figuren: den stürmischen jungen Mann (Tom Neyret), den gegenwärtigen orientierungslosen (Vincent Regnar) und den Älteren, dem Joel Colas die Züge eines altersweisen Clowns gibt. „Fast im Nichts“ arbeitet dabei mit den Mitteln des neuen Zirkus: Akrobatische Nummern, Jonglage, die Arbeit mit dem Ring oder Balanceakte bestimmen die ästhetische Form, die eine gelungene Verbindung mit einer überzeugenden Handlungsdramaturgie eingeht – was bei Aufführungen des Neuen Circus selten ist. Während der Mittlere vor sich zu fliehen versucht, stiften ihn die anderen zum Mittun an, Neyret z.B. zum Jonglieren mit Bällen, was Regnar immer noch besser kann. Wunderbar auch der Hilflosigkeit von Colas zuzusehen, wenn er sich im Reifen drehen will, aber erst einmal seinen Bauchspeck entdeckt. Dass ist mit Humor und leiser Selbstironie gespielt. Agnès Célérier arbeitet in ihrer Regie mit überraschenden Einfällen, da verschwinden Jugend und Alter samt den vielen Mänteln des Seniors in einem großen Sessel und der Mittlere findet wieder zu seinen akrobatischen Nummern. Diese werden durch die harten Beats – es gibt auch melodiöse Musikstrukturen -, die das Trio Pierre Olivier Fernandez, Adrien Desse und Thomas Loyer geschaffen hat, vorangetrieben.
Ein Abend voller Zirkus, Dramatik, Gefühle und Poesie – was will man mehr? Das gilt auch für die beiden anderen Inszenierungen. Ein toller Festivaltag.
08.02.2024
Grandioses Schattentheater
Was Sarah Chaudon und Clara Palau y Herrero vom Tangram Kollektiv in „Schattenwerfer“ aufführen, ist Schattentheater vom Feinsten. Zu Beginn der Vorstellung hocken sie am Boden und weisen das junge Publikum freundlich darauf hin, dass es in der Vorstellung Dunkel gibt, aber es auch wieder hell werden würde. Dann setzt sich Sarah Chaudon an ein kleines Harmonium und Clara Palau y Herrero sitzt an einem Tisch mit einer Ständerlampe, einer Kanne und einem Becher. Der kleine Spielraum ist von drei weißen Wänden begrenzt. Im Strahl eines Lichts bekommen die Gegenstände ein Eigenleben, hinter der Wand wird alles größer, bis am Ende sich die Objekte verselbständigen und sich von ihren Spielführerinnen ablösen.
Die beiden Spielerinnen spielen mit allen Mitteln des Schattentheaters. Sie spielen mit den unterschiedlichen Größen zwischen dem, was vor den Wänden geschieht, und dem, was hinter den Leinwänden stattfindet. Im Lichtkegel kleiner Lichtquellen wie Stabtaschenlampen entstehen immer neue Möglichkeiten. Da tanzen die Tassen hinter der Leinwand in der Luft, drohen abzustürzen, fangen sich im nächsten Moment ab, während vorne die Tasse ganz ruhig auf dem Tisch steht. Aus einem der Becher wird eine schmale, gummiseilartige Figur gezogen, die von beiden Spielerinnen über den Tisch geführt wird und sich immer wieder dehnt. Gerne arbeiten dabei beide mit den Formen einer Spiegelpantomime, die gleich wieder gebrochen wird. Da führt vorne Clara Palau y Herrero ein Spiel mit dem Teelöffel vor, den aber Sarah Chaudon hinter der Leinwand zu einem Fisch, dann zu einem Flugzeug verwandelt.
Es sind diese überraschenden Wendungen, die diese französisch-deutsche Koproduktion auszeichnen. So verdreifacht sich einmal das Bild einer Spielerin durch einfache Fingerbewegungen: Sie macht das virtuos, mit einem kindlichen Staunen, das sich nicht nur auf das junge Publikum überträgt. Wenn am Ende um eine große runde Lichtquelle, eine kleine kreist, sich dann ablöst und durch den Raum schwebt, da fühlt man das Universum. Einfach grandios, was die Beiden vom Theater Tangram Kollektiv mit ihrer starken Ausstrahlung machen.
09.02.2024
Können Deine Tränen schlafen?
Zu „Ein Bettchen von Trost“ von Hanneke Paauwe und Het Lab
Hanneke Paauwe ist eine wunderbare Theatermacherin. Eine ihrer Stärken sind poetische Installationen, die das Publikum aktiv miteinbinden. Dazu sucht die Künstlerin Räume, die nicht unbedingt Theaterbühnen sein müssen. In Nürnberg hat man einen großen Saal im MAXI.kunst, einem ehemaligen Sparkassengebäude, das mittlerweile unter Denkmalschutz steht, gefunden.
Wenn man durch eine kleine Türe mit einem wehenden Vorhang den Raum betritt, erklärt Hanneke Paauwe jedem einzelnen Besucher die Spielregeln, wie er sich durch den Raum bewegen kann und gibt jedem eine Taschenlampe mit auf den Weg. Der Raum ist halb in Dunkel getaucht, wenn der Betrachter einen Gegenstand oder einen beschriebenen Zettel genauer studieren möchte, dann bringt er die Schrift im Lichtkegel der Lampe zum Lesen. Schon der erste Blick beim Einlass zeigt eine faszinierende Vielfalt. Gleich am Anfang winkt ein Feld von hohen Graspflanzen, woran Zeichnungen hängen, in denen Kinder ihre Lieblingsmenschen oder -tiere aufgemalt haben. Darüber schweben engelhaft weiße, durchsichtige Plastik-Capes.
Paauwe ist eine Konzeptkünstlerin, die mit Fragen wie „Wie lange hält Traurigkeit an?“, „Können Deinen Tränen schlafen?“ oder „Wenn der Tod ein Mensch wäre, den ihr alles Fragen könntet, was würdet Ihr wissen wollen?“ ihr Publikum zur aktiven Teilhabe auffordert. Sie ordnet Fragen jeweils einzelnen Stationen des von ihr gestalteten Parcours zu. Das Zentrum beherrscht das Feld der Graspflanzen, dazu hängen Zweige im Raum. An zwei Seiten des Raums sind fünf „Boxen“ angeordnet. Die erste wird dominiert von einer golden ausgeschlagenen Liege, daneben ein Tisch, auf denen zwei alte Schreibmaschinen stehen, auf denen das Publikum eigene Seiten tippen kann über Erinnerungen an eine tote Person. In der nächsten Abteilung laden Bauklötze und ähnliches Material zum Bauen ein. Die anderen „Boxen“ sind sehr poetisch gestaltet, da hängen farbige Glasdekorationen, auf Borke liegt eine Art Kondolenzbuch oder Murmeln sind auf dem Boden verstreut, während dunkelgefärbte Glasscheiben u.a. mit Kinderporträts auf Notenständern liegen. Überall auch hängen DIN-A-4-Zettel mit Fragen, die auf dieser Station zur Diskussion gestellt werden, und viele Zettel, auf denen Kinder wie Erwachsene ihre Antworten notiert haben.
Auf der rechten Seite lädt erst einmal eine Installation mit erleuchteten Flaschen ein, über denen weiße Tücher schweben. Daneben werden auf eine große Leinwand Baumlandschaften projiziert. Darunter kann sich das Publikum auf fünf flachen Liegen ausruhen und auf einer weiteren Station seine Eindrücke handschriftlich notieren. In einem Nebenraum, der von einer Glocke dominiert wird, liegen viele Zwiebeln auf den Boden und in großen Glasgefäßen verschiedene Essen. Zwiebeln waren einmal Symbol für die Ewigkeit. In der letzten Abteilung wachen zwei von Efeu umschlungene Räume aus Gummistiefeln. Das Tolle an dieser Installation ist, dass man alle diese Bilder in sich aufnehmen und genießen kann, zumal sie etwas Ritualhaft-Geheimnisvolles haben – und einfach schön sind. Diese Schönheit ist umso reizvoller, wenn man das Angebot zur Teilhabe annimmt. Bedeutet diese Aktivität doch ein Innehalten, eine Chance über Tod und über das Leben nachzudenken.
Hanneke Paauwe ist das Kunststück gelungen, ihr Publikum mit einem tabuisierten Thema – den Tod – zu konfrontieren und es gleichzeitig mit großer Leichtigkeit zu einer eigenen Auseinandersetzung mit diesem Thema zu verführen. In der Tat hat diese Installation auch etwas Tröstliches, wie der Titel verspricht: „Ein Bettchen von Trost“.
09.02.2024
Wenn die Welt grün wird
Klaipeda Puppet Theatre/Item Ensemble: The Big Bang
Unsere Gesellschaft erstickt an Elektro- und Computerschrott. Einiges wird aufbereitet zu neuem Material, vieles aber wird zum Müll, der immer mehr die Erde überzieht und Lebensräume einschränkt. Die Macher vom Klaipeda Puppet Theatre aus Litauen haben eine Antwort: Sie verwandeln in ihrem Objekttheater Stück „The Big Bang“ Elektromüll zu einem faszinierenden Spielmaterial. Der Raum von Ausra Bakanaité wird von einer großen Leinwand dominiert. Markanter aber sind große E-Schrottinseln links und rechts, sowie eine kleine in der Mitte. Per Livevideo (Kestutes Bruckus) werden die kleinen Aktionen auf der Leinwand groß ausgestellt.
Detailverliebt bauen Monika Mikalsuskaité-Bauziené und Vytautas Kairys zunächst aus einem Kabelsalat kleine Figuren, die sich bekämpfen müssen. Erst dann beginnt die eigentliche Geschichte: Ein Roboter aus Kabeln und einem Kopf aus einem quadratischen elektronischen Bauteil - ich bin kein Computerfreak, da fehlen mir die Fachausdrücke – und einen aus einer Batterie gebauten Hund – wandern durch das Universum. Aus den Schalttafeln der Computer entsteht aus der Luftperspektive eine Stadt mit rauchendem Meiler, Wohnhäusern und Fabriken, die, obschon im Video alles täuschend echt aussieht, ausschließlich aus Ankerspulen, Modulen und anderen elektronischen Bauteilen besteht. Da kommt das Publikum nicht aus dem Staunen heraus. Und, obwohl das Ensemble in seinen Dialogen Litauisch spricht, hat man durch die starken Bilder das Gefühl, alles zu verstehen.
Die Regie von Zvi Sahar erfindet für diese Reise von Roboter und Hund immer neue Situationen. Dazu hat Kobe Shmueli eine dramatische Musik komponiert, die mit Filmmusikthemen spielt. Der Wechsel von Spielorten wird derart vorbereitet, wenn der Hund in ein Loch fällt und sich in einer unbekannten, dunklen Welt bewegen muss, bis er sein Roboterherrchen wieder findet. Dann passiert die Katastrophe: es beginnt zu regnen. Wie sollen sich Metalle und Module schützen? Keine Sintflut kommt, sondern die Welt wird überwuchert vom Grün, in dem der E-Schrott verschwindet. Wenn es denn so einfach wäre! Anregend ist „The Big Bang“ allemal. Die Kreativität der Macher im Umgang mit ihrem Material regt zu eigener Aktivität an.
09.02.2024
Von der Wichtigkeit einer Haltung
Zu Theater Sgaramusch: Rosa
Der szenische Raum hat den Charakter eines Spielzimmers. An Garderobenteilen hängen die verschiedensten Puppen, kleine und große, ein Plüschhund auch, der später als Katze angespielt wird. Über diesen thront an einer langen Stange eine weiße Taube, die leitmotivisch durch das Stück geführt wird. Ein Pappschloss mit zwei Zinnen für die Kaiserburg, das noch einmal kleiner im Bild erscheint, markieren herrschaftliche Atmosphären. Das Plattencover von Chopins Sämtliche Klavierwerke verdeckt eine kleine Ton- und Lichtanlage. Und vorne fast am Bühnenrand steht ein Plastikeimer, der die Spree in Berlin symbolisiert, der Fluss, in den die 1919 ermordete Rosa Luxemburg – in der Inszenierung symbolisiert durch ein Tuch - geworfen wurde.
„Rosa“ der Schweizer Gruppe Theater Sgaramusch erzählt die Geschichte der Rosa Luxemburg (1871 – 1919). Wer bei Wikipedia über diese politische wie sensible Frau nachschlägt, erstickt schier an der Vielfalt der Informationen. Von daher ist die Entscheidung des Ensembles nachzuvollziehen, sich auf die Kindheit und auf die Züricher Episode ihres Studiums und die Freundschaft zu Leo zu konzentrieren. Um es für Kinder ab fünf Jahren eindrücklich zu erzählen, wird im Spiel Haltung gefordert: Es geht um ein junges Mädchen, das sich mit den Ungerechtigkeiten in der Welt nicht abfinden will. Trotz aller drakonischen Strafmaßnahmen lässt sie sich nicht einschüchtern und erhebt ihre Stimme. Das wird in den verschiedenen Situationen vorgeführt, im Polen ihrer Kindheit, in Zürich, in Berlin. Letztendlich bleibt sie bis zum Schluss das kleine Schulmädchen, das die Aufteilung der Welt in Arm und Reich, sowie den Unterschied von Gerechtigkeit und Recht nicht akzeptieren will und kann.
Nora Vonder Mühll und Stefan Colombo wählen zusammen mit der Regie von Corsin Gaudenz die klassische Form des Erzähltheaters. Dessen Strukturen werden bis hin zur Publikumsbefragung „Was ist Dir wichtig?“ im Spiel vorgeführt. Historisch sind Erzähl- und Figurentheater eine enge Verbindung eingegangen – wie in „Rosa“. Rosa und Leo sind Klappmaulpuppen, die größer als die anderen Figuren sind (mit Ausnahme des Hundes als Katze): Der Kaiser ist eine Handpuppe, wie man sie aus dem Kasperletheater kennt, die Proletarier sind Wollpuppen, die in ihrem Kampf auf den Boden geschmettert werden. Weil die Klappmaulfiguren größer sind als die anderen, ziehen sie allen Fokus auf sich. Aber der Kaiser als Handpuppe? Das wirkt trotz des Stimmeneinsatzes von Stefan Colombo verharmlosend.
Nora Vonder Mühll und Stefan Colombo setzen zur Verlebendigung ihres Stoffes viele Mittel ein. Es fliegt die weiße Taube als Friedensvogel, es spielt z.B. Vonder Mühll auf der Trompete die Internationale. Am erzählten Beispiel einer starken Frau versuchen sie ihr Kinderpublikum zu eigenem Handeln zu verführen. Es geht in dieser Inszenierung nicht um die historische Figur, sondern diese möchte die Haltung der Heldin an das Publikum weiterreichen, ermutigen, Fragen zu stellen und darüber nachzudenken, was mir in dieser Gesellschaft wichtig ist. Diese Haltung kann Kindern nicht früh genug vermittelt werden.
10.02.2024
Die Welt - ein Laufband
„Runners“ von Cirk La Putyka
In „Runners“ von Cirk La Putyka aus Prag geht es um Schnelligkeit. Gefühle gibt es einzig im Geschwindigkeitsrausch. Aber innerhalten? Vier junge Menschen – zwei Frauen und zwei Männer – erzählen an Mikrofonen von ihren Flows und Stürzen. Wie mit dem Fahrrad einen steilen Hang hinunter sausen, wie sie im Krankenhaus landen und wieder aufstehen, um weiter zu machen. Dazwischen springen die Vier auf ein Laufband, das sich in unterschiedlichen Tempi bewegt (ein Maschinist steht mit dem Steuerungsgerät mit auf der Bühne), rennen mit und gegen die Richtung des Bandes, kämpfen miteinander, formieren sich zum Schluss hin zu einem Wettkampf: Wer wird die/der Erste?
In der Szenerie von Pavla Kamanová dominiert das diagonal die Bühne querende Laufband. Im Hintergrund sind im Halbdunkel Tische hinter Plexiglaswänden zu erkennen, vorne links stehen vier Mikrofone, der Ort, wo das Ensemble seine Geschichten erzählt, bevor es wieder auf das Laufband springt. „Runners“ hat den Charakter einer Nummernrevue, die durch das Laufband, die um die Geschwindigkeit kreisende Geschichten und die Live-Musik zusammengehalten wird. Grandios was die Violinistin Veronika Linhartová und der Multi-Instrumentalist Jan Čtvrtnik musikalisch draufhaben, von melodisch einschmeichelnden Melodien, bis zum harten Sound einzelner wie Hammerschläge niedersausender Akkorde.
In „Runners“ verbinden sich Musik und Geschichten mit den Mitteln des neuen Zirkus. Mit bewundernswerter Energie und starker Physis demonstriert das Ensemble nicht nur einen schweißauftreibenden „laufenden“ Auftritt auf dem Laufband, sondern darüber hinaus auch noch einzelne akrobatische Aktionen. Während Aneta Bočková als junge Frau in Blau und Šárka Řihová als Frau in Weiß rennen und rennen, führt Jakub Slovák eine Fahrradnummer vor. Ethan Law glänzt mit dem Cyr-Rad auf dem Laufband. Ein starker, ein unterhaltsamer Abend, der an das Publikum eine Frage richtet: Wozu immer rennen? Die Inszenierung von Rostislav Novák Jr und Vit Neznal gibt einen vorsichtigen Hinweis: Der Flow, der dabei entsteht, reißt einen mit – lässt einen auch abstürzen. Wer nicht mithält, muss in einer solchen von Schnelligkeit geprägten Gesellschaft untergehen.
11.02.2024
Ein Dorf ganz weit im Norden
Zu „Angenommen, Du hättest ein tragbares Grammophon“
Es gibt Aufführungen, die sind so zart, so schön, dass einem die Worte fehlen, um sie zu beschreiben. Das trifft um so mehr zu, wenn auf der Bühne ein Ensemble mit starker, ja – ich traue mich kaum, dieses Wort zu benutzen – auratischer Präsenz agiert wie in „Angenommen, Du hättest ein tragbares Grammophon“, eine Koproduktion der dänischen Gruppen Teatret Gruppe 38, Teatret Moellen, Carte Blanche und teater2tusind. Bodil Alling, Peter Seligmann und Connie Tronbjerg sitzen während der gesamten Vorstellung an einem langen Tisch. Nur eine szenische große Aktion gibt es, einmal wird der Tisch hochgefahren (und wieder runter), aber auch da bleiben die Darsteller:innen auf ihren Stühlen hocken.
Worin besteht das Geheimnis? Wenn man mit klassischen Begriffen zu analysieren versucht, dann herrscht die Struktur des Erzähltheaters. In „Angenommen, Du hättest ein tragbares Grammophon“ wird eine Geschichte mit einer ganz eigenen Atmosphäre erzählt. Wenn das Publikum hereinströmt, schauen die Drei es neugierig-freundlich an, dabei haben alle drei die gleiche (körperliche) Haltung. Wenn das Licht im Zuschauerraum ausgeht, beginnt Bodil Alling sich freundlich zuzuwenden: „Stell dir vor, du hättest einen Klumpfuß. Dann könntest Du auf einem Bein stehen und viel höher sehen.“ Es folgen weitere „Stell dir vor“: Unauffällig öffnen die Spieler:innen dem jungen und alten Publikum einen Vorstellungsraum. Deshalb braucht es nur ein paar Bauklötze, um die kleine norwegische Stadt ganz hoch im Norden in einem einsamen Tal gelegen zu symbolisieren.
Alling, Seligmann und Tronbjerg lassen es zu, dass das Publikum sich mit seiner Fantasie die erzählte Welt in Bilder umsetzt. Dabei hilft, dass das Ensemble mit Wiederholungen arbeitet. Nicht nur das „Stell dir vor“ wird leitmotivisch eingesetzt, sondern auch bestimmte Eigenarten der Stadtbewohner werden immer wieder betont: Sie leben von Stockfisch und Bierbrot, sonntags gehen sie zur Kirche und singen, dabei schauen sie immer auf den Boden. In dieser dumpfen Beharrlichkeit lebt die lebenslustige Viola, die bei dem alten Henry mit seinem Grammophon eine andere Welt kennenlernt. Als dieser eines Tages stirbt, steht das Haus leer , bis Madame Lüdh ankommt. Diese ist in einem fernen Land vor dem Feuer geflohen. Sie und Viola freunden sich an, bis Madame, nachdem sie Geld geerbt hat, wieder verschwindet.
Sie kommt mit vielen Paketen zurück. Sie bereitet den Dorfbewohnern ein Festessen aus der Haute Cuisine. Eigentlich haben sich die, die nur von Stockfisch und Bierbrot leben, verabredet, zwar zu erscheinen, aber nicht zu kosten. Aber mit dem ersten köstlichen Bissen schwindet der Widerstand. Auch Integration kann durch den Magen ausgedrückt würden, zumal wenn die Klänge eines Wiener Walzers beschwingen. Dann macht sich Viola auf die Reise in die fremde Welt… Begriffe, wie Integration oder Angst vor dem Fremden werden im von Bodil Alling verfassten Text nicht benutzt. Sie begnügt sich mit der Beschreibung von Handlungen, deren Wertung sie dem Publikum überlässt. Neben der dem Publikum zugewandten Freundlchkeit ist das eine der Stärken dieser Aufführung. In seiner Regie schärft Hans Rönne noch diese Haltung, er lässt die Drei kleine gemeinsam Gesten machen, die genau gesetzt sind. Alling, Seligmann und Tronbjerg lassen das Publikum spüren, dass sie ihre Figuren lieben und ihr Publikum lieben. Ist das das Geheimnis?