{"id":1824,"date":"2024-02-08T12:22:36","date_gmt":"2024-02-08T11:22:36","guid":{"rendered":"https:\/\/festival-panoptikum.de\/?page_id=1824"},"modified":"2026-02-08T12:55:53","modified_gmt":"2026-02-08T11:55:53","slug":"der-festivalblog-von-manfred-jahnke","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/festival-panoptikum.de\/en\/der-festivalblog-von-manfred-jahnke\/","title":{"rendered":"Der Festivalblog"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Der panoptikum Festivalblog <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen Festivalblog. Sch\u00fcler*innen im P-Seminar des Labenwolf Gymnasium N\u00fcrnberg sind 4 Tage unterwegs um Theater anzuschauen und dar\u00fcber zu schreiben. Begleitet werden sie von Manfred Jahnke, erfahrener Theaterkritiker (Die Deutsche B\u00fchne) und Journalist, der bei der Festialausgabe 2024 diesen Blog er\u00f6ffnete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Als erste Eintr\u00e4ge in diesem Jahr zeigen wir hier zwei Besprechungen zu &#8222;Nos petits penchants \/ Unsere kleinen Schw\u00e4chen&#8220; von der Cie. Des Fourmis dans la Laterne<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von Konstanze Sticht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Verwandter oder Freund dr\u00fcckt dir ein Buch in die Hand. Auf dem Cover steht: \u201eSoyez hereux!\u201c \u2013 Sei gl\u00fccklich! Kann man das Gl\u00fcck aber so pauschal in einer Anleitung vermitteln?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am vierten Februar wird abends im <em>Theater Salz+Pfeffer<\/em> ein Figurentheaterst\u00fcck aufgef\u00fchrt, ein faszinierendes St\u00fcck mit dem Titel \u201eNos petits penchants\u201c (dt.: Unsere kleinen Schw\u00e4chen). Darin veranschaulichen drei Spieler der franz\u00f6sischen <em>Gruppe Des Fourmis dans la Laterne <\/em>in einem Puppentheater, das ohne Worte auskommt, die Welt von \u201enos petits penchants\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hauptrollen sind sieben entz\u00fcckende, handgemachte Puppen. Ihre Namen sind nur aus einem erg\u00e4nzenden Heft bekannt, mithilfe von Ger\u00e4uschen, Bewegung und teils Mimik wird den Figuren Leben und Menschlichkeit eingefl\u00f6\u00dft, auch wenn die K\u00f6rper und Bewegungen der Figuren oft \u00fcbertrieben und \u00fcberzeichnet sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als roter Faden zieht sich die Suche nach dem Gl\u00fcck durch das St\u00fcck. Ein Buch, \u201eSoyez hereux\u201c, soll mit sieben Regeln zum Gl\u00fcck verhelfen. Im Laufe des St\u00fccks erkennen die Charaktere jedoch nach und nach, dass Gl\u00fcck nicht in \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Konsum, k\u00f6rperlicher Perfektion oder absoluter Kontrolle besteht. Stattdessen ist es die N\u00e4he einer Katze, die (neu entdeckte) Liebe eines Partners oder die Hilfsbereitschaft des Nachbarn, die gl\u00fccklich und zufrieden machen. Gl\u00fcck ist also vielf\u00e4ltig und individuell und kann nicht an Kriterien festgemacht und mithilfe von Regeln erlernt werden. Kritik \u00fcbt das St\u00fcck damit am gesellschaftlichen Druck, der in Form von pers\u00f6nlicher Optimierung und Perfektion das Gl\u00fcck erzwingen will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der Figuren, Balthazar, verliert sich schlie\u00dflich selbst unter diesem Druck, der durch eine kleine Puppenversion seiner selbst verk\u00f6rpert wird, bis sich sein Zustand zunehmend verschlechtert. Doch dabei bleibt es nicht, die Heilung kommt in Form eines kleinen vierbeinigen Gef\u00e4hrten und eines Nachbarn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die drei Darsteller, Pierre-Yves Guinais, Yoanelle Stratman und Iseult Clauzier, erwecken das St\u00fcck durch flotte Figuren und magische H\u00e4nde zum Leben. Mit winzigen Gesten, welche sich auch in den Gesichtern der Spieler widerspiegeln sowie mit Ger\u00e4uschen, die Menschen und Tiere bewusst oder oft auch unbewusst von sich geben, zum Beispiel kurze Seufzer, ein Schrei, aber auch das Miauen einer Katze, animieren die Spieler ihre Figuren mit viel Hingabe. Jede Figur k\u00e4mpft dabei mit ihrer jeweils eigenen Imperfektion, k\u00f6rperlich oder charakterlich, sodass es den Spielern gelingt, dass vor den Augen der Zuschauer jede Figur ein ganz eigenes Individuum wird. Die Bewegungen der Figuren sind flie\u00dfend und erinnern oft an Clay-Motion-Filme, die Bewegungen so emotionsreich, dass man seinen Blick nicht von den faszinierenden Puppen nehmen kann und mag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht nur die Spieler und ihre Puppen tragen zu dieser magischen Atmosph\u00e4re von \u201enos petits penchants\u201c bei, sondern auch das fantastische B\u00fchnenbild: Zwei Tische links und rechts auf der B\u00fchne, auf denen sich kleine Szenen abspielen und in der Mitte der B\u00fchne f\u00fcnf gro\u00dfe Objekte, die auf der einen Seite die K\u00f6pfe der Puppen, auf der anderen ihre H\u00e4user abbilden. Diese Kopf-Haus-Objekte befinden sich fast bis zum Schluss des St\u00fccks stets auf unterschiedlichen H\u00f6hen, thronen \u00fcber dem Publikum und spielen darauf an, dass manche \u00fcber den anderen stehen, besser sind als andere oder sich zumindest als \u00fcbergeordnet f\u00fchlen. Die vermeintlich gl\u00fccklichste Figur, der Autor des Buches \u201esoyez hereux\u201c ganz oben, die \u00e4ltere, griesgr\u00e4mige Dame am weitesten unten. Die Dominanz der Objekte in der Mitte, die immer zwischen den Szenen, die sich rechts und links auf den Tischen abspielen, bespielt werden, legen den Schwerpunkt darauf, dass es den Figuren an Erkenntnis mangelt, wie das individuelle Gl\u00fcck zu erreichen sei. Am Ende erkennen alle Charaktere, dass sie ihre je eigene Reise zum Gl\u00fcck machen m\u00fcssen und alle K\u00f6pfe, die zuvor auf unterschiedlichen H\u00f6hen angesiedelt waren, begeben sich symbolisch auf eine, die gleiche Ebene.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lichter, die in den H\u00e4usern auf der R\u00fcckseite der Objekte zu sehen sind, sind von innen h\u00fcbsch beleuchtet. Kleine Lichter spielen auch eine wichtige Rolle. Denn die Puppen gl\u00fccklich darzustellen ist ohne beweglichen Mund und Gesichtsz\u00fcge schwer zu erreichen, und so wird klar, dass die Figuren gl\u00fccklich sind, indem kleine Lichter in der N\u00e4he ihrer Herzen aufblinken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die unglaubliche Passion und Arbeit der Spieler und des ganzen Teams begeistern das Publikum und deshalb gibt es am Ende f\u00fcr die Auff\u00fchrung, die mit viel Emotion, gesellschaftlicher Kritik und magischem Puppenspiel Jung und Alt gleicherma\u00dfen in seinen Bann zieht, zurecht gro\u00dfen und langen Applaus.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von Valentina Frei<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie wird man als Mensch vollst\u00e4ndig gl\u00fccklich? Eine Frage die einige durch das ganze Leben begleitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201cNos petits pechants\u201d, ein Figurentheaterst\u00fcck der \u201cCompagnie Des Fourmis dans la Lanterne\u201daus Lille greift dieses f\u00fcr viele Menschen komplexe Thema auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Beginn wird eine der f\u00fcnf Hauptfiguren, der scheinbar perfekte Viktor, gezeigt, der ein Buch mit sieben Schritten zum Gl\u00fcck vorstellt. Der Inhalt dieses Buches begleitet uns durch die gesamte Handlung. Zum Beispiel soll man, um gl\u00fccklich zu werden, komplett auf negative Emotionen verzichten und seinen eigenen Traumk\u00f6rper formen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Inszenierung dieses St\u00fcckes zeigt durch die f\u00fcr den Zuschauer lebendig wirkenden Figuren, wie jeder Mensch seine eigenen Besonderheiten hat und erfasst geschickt, wie auch gesellschaftlich im realen Leben vom modernen Menschen gefordert wird, perfekt und gl\u00fccklich zu sein. Diese Erwartungshaltung kann schnell zu Perfektionismus f\u00fchren und uns von innen zerst\u00f6ren. Brillant gezeigt wir es am Beispiel der Figur Balthasar, der mit seiner inneren Stimme, Mini-Balt, an seinem \u00fcberfordernden Streben nach Gl\u00fcck verzweifelt. Weitere unangenehme, aber menschliche Macken werden bei jeder Figur in der b\u00fcrgerlichen Nachbarschaft gezeigt. Der alte Alfred meint zum Beispiel, sein Gl\u00fcck im in unserem Zeitalter fast g\u00e4ngigen \u00dcberkonsum zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Besonderheit in der k\u00fcnstlerischen Darstellung ist, dass w\u00e4hrend des St\u00fccks kaum gesprochen wird. Nur die Stimme eines Sprechers vom Bandliest die sieben Regeln zum Gl\u00fccklichsein vor und es wird gezeigt, dass man trotz sparsam verwendeter Sprache eine Geschichte ganz hervorragend verst\u00e4ndlich vermitteln kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die im Hintergrund spielende Musik schaffte bei jedem Wechsel eine zur Situation passende Stimmung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittig befinden sich anfangs vier, sp\u00e4ter f\u00fcnf Ger\u00fcste mit Objekten darauf, jedes eine Figur der Geschichte symbolisierend, auf einer Seite das Gesicht und auf der anderen das Zuhause der vorkommenden Figuren zeigend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl die Gesichter der drei Spieler stets zu sehen sind, gelingt es ihnen geschickt, die Aufmerksamkeit des Publikums durch Licht und Spiel auf die Puppen zu lenken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Metaphern werden clever visuell umgesetzt. Alfred verliert in einer Szene wortw\u00f6rtlich den Kopf. Die Findung des eigenen Gl\u00fccks wird mit dem Aufleuchten des Herzens gezeigt. So wird es den Figuren bildlich warm uns Herz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem, im Dunklen ein- und ausgehenden Licht werden pr\u00e4zise Orts- und Zeitwechsel verdeutlicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das einzigartige Aussehen der Figuren pr\u00e4gt sich beim Zuschauer gelungen ein und gibt dem St\u00fcck ein klares Wiedererkennungsmerkmal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als schlussendlich die Nachbarn gemeinschaftlich ihr Gl\u00fcck finden, l\u00e4sst sich mitnehmen: Gl\u00fcck vervielfacht sich, wenn man es teilt. Auch egal, wie du aussiehst oder bist, du musst nicht einer Vorgabe entsprechen, denn unsere kleine Macken machen uns einzigartig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine von Anfang bis Ende, vor allem f\u00fcr Liebhaber von skurriler Kunst, sehenswerte und zum Nachdenken anregende Vorstellung mit viel Freiraum f\u00fcr die eigene Interpretation.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Review of \u201ePembo-\u00a0 Halb und halb macht doppelt gl\u00fccklich\u201c<\/strong> vom Jungen Theater Ingolstadt<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>von Jocelyn Junaidy<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Performed at the Tafelhalle on 4th of February 2026, held by organizer of Festival Panoptikum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201ePembo\u201d is written by Ayse Bosse. She\u2019s an author of many children\u2019s books and was born in Frankfurt. The show is played by Junges Theater Ingolstadt. Its director is Niko Elftherladis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The play tells the story of Pembo who has a German mother and a Turkish father. She and her family have to move from Turkey to Germany when her father inherits a hair salon in Hambourg. There, the family struggles with the new beginning and faces financial problems. However, things slowly begin to change and Pembo can make new friends. In the end Pembo doesn\u2019t have to choose whether she\u2019s Turkish or German, boy or girl. The story tells us about the challenge of growing up and living with different cultures and shows the importance of friendship and family.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The actor who played Pembo successfully showed her character as a kid through her movements and body language. Pembo and her parents, Mustafa and Mona Mutlu, each play one role, but the other players play more than two like Pembo\u2019s friend and her uncle. Lots of players jump around a lot and act wildly.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The stage design of \u201ePembo\u201cis special. There are many seat cushions all over the stage, where also lots of viewers take a seat and as a result physically become part of the play. Two monitors, two cameras and microphones, e.g. used as telephones, add up to a mostly functional and the plot supporting use of technical devices. The music included traditional Turkish music that especially at the end, when everybody was supposed to stand up and start dancing with the cast, did not only suit the content of the play but also put people in a good mood.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Overall, the performance in the Tafelhalle was really great and the play can be recommended to students and to people of different ages.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Besprechung zu \u201eSawdust Symphonie \/ Symphonie der S\u00e4gesp\u00e4ne\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>von Elias Bohne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei M\u00e4nner, begeisterte Heimwerker, die sich eher ihrem Impuls, anstatt ihrer Vernunft bedienen, kommen hier zusammen und verdrehen einem jeden Zuschauer und Zuh\u00f6rer den Kopf, weil sie durch ihre Willk\u00fcr und die anscheinend fehlende Handlung, jeder Logik trotzen. Dennoch sieht man gebannt dem St\u00fcck zu, welches durch mehrere witzige Szenen raffiniert die Spannung und damit auch die Konzentration h\u00e4lt. Aufgef\u00fchrt wird dieses St\u00fcck zum diesj\u00e4hrigen Panoptikum 2026 in N\u00fcrnberg, die Namen der drei K\u00fcnstler sind Michael Zandl, David Eisele und Kolja Huneck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Anfang ist die Geschichte des St\u00fccks recht einfach. Mit viel Ruhe und Gelassenheit kommen die drei K\u00fcnstler auf die B\u00fchne und fangen an, mit Holz einen Stuhl zu bauen und zwar im Wettstreit, wer der erste sei und wer am besten bauen k\u00f6nnte. Ab dann gibt es nur noch Chaos. Durch versteckte Eing\u00e4nge auf der B\u00fchne verschwinden die drei Schauspieler immer wieder und oft sieht man nur einen von Ihnen auf der B\u00fchne. Die drei stellen dabei auch jeweils verschiedene Interessen da. Einer von ihnen ist der typische begeisterte Handwerker, der mit Ruhe und gro\u00dfer Hingabe auf der B\u00fchne werkelt. Der n\u00e4chste liebt seinen Hammer und hat ein pers\u00f6nliches Problem mit N\u00e4geln. Der letzte hingegen springt geradezu immer auf die B\u00fchne, getr\u00e4nkt in Leim. Dieser kann wohl gar nicht genug davon haben, sich in seinem Leim zu suhlen. So wechseln sich alle drei Schauspieler immer wieder gegenseitig ab, und man erf\u00e4hrt \u00fcber alle drei Pers\u00f6nlichkeiten etwas Neues.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch unter der B\u00fchne geschieht viel Magie. Aus dem Nichts kommen N\u00e4gel hervor, aus dem Nichts fliegen Hammer herum und die Schauspieler springen durch versteckte Ein- und Ausg\u00e4nge. Andererseits versuchen unsere drei K\u00fcnstler zwar, die Spannung mit stetigen Witzen zu halten. Dennoch sind die Szenen manchmal langatmig und schon nach der H\u00e4lfte der Auff\u00fchrung Zeit w\u00fcnscht man sich, es w\u00fcrde etwas Neues dazukommen oder das St\u00fcck w\u00fcrde enden. Zudem fehlt ein klarer Handlungsstrang und dadurch scheint das Ende sehr abrupt und nicht wirklich \u00fcberraschend. Die drei Handwerker sind dann wieder zusammen auf der B\u00fchne und gehen jeder seiner eigenen T\u00e4tigkeit nach. Keine \u00dcberraschung, keine Dialoge, daf\u00fcr aber viele Fragen. Schauspielerisch und artistisch gesehen, leisten die drei M\u00e4nner bemerkenswertes. Empfehlenswert ist dieses St\u00fcck allerdings nur f\u00fcr jene, die etwas Neues sehen wollen, Fragen nach einem tieferen Sinn sollte man sich aber nicht stellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>von Emelie Engel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kennen Sie vielleicht den nerdigen Nachbarn von nebenan, der f\u00fcr nichts au\u00dfer seiner Leidenschaft zu leben scheint? Darin so aufbl\u00fcht, als sei es sein Ein und Alles? Vielleicht ist es auch ihr Onkel, ihre beste Freundin, oder sogar Sie selbst? In \u201eSawdust Symphony\u201c \u00fcbernehmen diese Rolle drei Heimwerker, gespielt von Michael Zandl, David Eisele und Kolja Huneck. Und w\u00e4hrend sie s\u00e4gen, h\u00e4mmern oder kleistern, liegt immer eine Prise Konkurrenz in der Luft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In \u201eSawdust Symphony\u201c erwartet das Publikum kein klassisches Theaterst\u00fcck, viel mehr eine Art Zirkus mit Tanz, Akrobatik und Zaubertricks. Diese f\u00fchren die drei Darsteller gekonnt dem Publikum vor. Auch Special Effects sorgen f\u00fcr \u00dcberraschungen. Die Charaktere werden konsequent stark \u00fcberzeichnet, was zu einer Wiedererkennung beim Publikum f\u00fchrt. Doch dieses wird manchmal mit zu wenig Abwechslungsreichtum gespielt, was dem Ganzen etwas den Witz nimmt. Dasselbe gilt auch f\u00fcr die Handlung, in der sich die Witze wiederholen und die Szenen manchmal zu lange andauern, was dazu f\u00fchrt, dass die Aufmerksamkeit nachl\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem fehlt dem St\u00fcck ein klarer Handlungsstrang. Nichtsdestotrotz herrscht ein gewisser Aufbau, indem am Anfang alle Heimwerker auf der B\u00fchne erscheinen und die bestehende Konkurrenz vermittelt wird. Im Laufe des St\u00fcckes treten die Spieler gr\u00f6\u00dftenteils alleine auf und zum Ende hin finden sich nacheinander alle wieder auf der B\u00fchne ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wichtiger Bestandteil des St\u00fcckes ist der vielf\u00e4ltige Gebrauch von Humor und Ironie. Hier darf nichts allzu ernst genommen werden. Der leichte Humor von zweien der Heimwerker steht im starken Kontrast zu dem speziellen Humor des Dritten. Schon zu Beginn hebt dieser sich von den beiden anderen ab und zeichnet sich durch schwarzen, teilweise brutalen und ekelerregenden Humor aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammenfassend betrachtet ist \u201eSawdust Symphony\u201c ein St\u00fcck, dessen Umsetzung sicherlich nicht jedem gef\u00e4llt und nicht unbedingt f\u00fcr Kinder geeignet ist. Denn neben den einzelnen, manchmal langatmigen Szenen und dem teilweise sehr lauten Sound ist der spezielle Humor nicht auf Kinder zugeschnitten. Eher geeignet ist es deshalb f\u00fcr Jugendliche und Erwachsene.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Besprechung zu &#8222;Minuit &#8211; Mitternacht&#8220; <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>von Angelina Konoshenko<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vermutlich kennt jeder Mensch folgende Situation: Man steht mit sich selber oder einer anderen Person in einem Konflikt und f\u00fchlt sich dabei f\u00f6rmlich zerrissen. Genau dieser innere Konflikt wird in dem St\u00fcck ,,Minuit\u201d behandelt und mit der Kombination aus Musik und Illustration schafft es Regisseur Leo Thiebaut hier, auch ganz ohne Worte auf eine sehr gelungene und \u00e4sthetische Weise darzustellen, wie ein Junge den Weg der Zerrissenheit und letztendlich auch der Heilung geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Vorstellung der St\u00fccks in der Kulturwerkstatt auf AEG am 05.02.2026 konnten die Zuschauer*innen erleben, wie man zu Beginn zun\u00e4chst musikalisch in das St\u00fcck hineingef\u00fchrt wird, bevor schlie\u00dflich die Illustratorin Coline Grandpierre beginnt, die Geschichte des Jungen mit ihren Bildern zu erz\u00e4hlen. Mithilfe der Musik schaffen Florence Kraus am Klavier, Sopran- sowie Altsaxophon und Gregoire Terrier an der Gitarre von Beginn an eine sph\u00e4rische Atmosph\u00e4re, welche einen direkt in ihren Bann aus Jazz und elektronischer Musik zu ziehen scheint. Die richtige Erz\u00e4hlung der Geschichte beginnt, sobald die Illustratorin mit ihren ersten Zeichnungen beginnt: Sie zeichnet live die Bilder des Jungen und seiner Gedanken- und Gef\u00fchlswelt, wobei die Musiker diese immer mit ihren Instrumenten und auch durch verschiedene Percussion-Werkzeuge untermalen und die Dramatik der Geschichte unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das B\u00fchnenbild ist sehr schlicht gestaltet: Auf der Fl\u00e4che selbst befinden sich zwei Tische mit den Instrumenten und Werkzeugen der drei Schauspieler und an einem Bildschirm an der hinteren Wand kann man den Zeichenprozess der Illustratorin mitverfolgen, welche mit verschiedenen Farben, Stiften und teilweise auch mit einem Tablet arbeitet. Die jeweils handelnden Akteure werden beleuchtet, sonst passiert auch im Bereich des Lichtes nicht viel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gesprochen wird nicht: Dennoch schaffen es die drei Schauspieler rein durch das Bedienen ihrer Instrumente oder durch die Art des Zeichnens, verschiedene Stimmungen mitrei\u00dfend r\u00fcberzubringen. Besonders begeistern konnte das Zusammenspiel der Schauspieler: Allen dreien konnte man ansehen, dass ihnen der Prozess auf der B\u00fchne Freude bereitet und die freundschaftliche Harmonie zwischen ihnen war deutlich sp\u00fcr- und sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Botschaft des St\u00fcckes wird in Anbetracht all dieser zusammenkommender Komponenten schlie\u00dflich wirklich sch\u00f6n und plausibel r\u00fcbergebracht: Der Mensch muss lernen, mit seinen Emotionen und Gef\u00fchlen umzugehen: Sowohl mit den ,,b\u00f6sen\/schlechten\u201d, als auch mit den ,,guten\u201d. So kann die Person schlussendlich als die Pers\u00f6nlichkeit, die sie ist, existieren, ohne eine der beiden H\u00e4lften verdr\u00e4ngen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Gr\u00f6\u00dfe des Interpretationsspielraumes hat in der Auff\u00fchrung gefallen: In vielen Momenten wird es der Fantasie der Zuschauer \u00fcberlassen, was oder auch wer z.B. der Ausl\u00f6ser einer Konfliktsituation ist; so wird einem die M\u00f6glichkeit geboten, mit eigenen Gedanken selbst mitzuwirken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abschlie\u00dfend kann die Empfehlung f\u00fcr dieses St\u00fcck nur noch einmal betont werden: Sowohl f\u00fcr Kinder als auch f\u00fcr \u00e4ltere Leute geeignet, schafft ,,Minuit\u201d es, die Zuschauer mit seiner eigenen \u00c4sthetik und Atmosph\u00e4re in den Bann zu ziehen, ohne die Bedeutung der Geschichte au\u00dfer Acht zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Besprechung zu &#8222;Der bleiche Baron &#8211; De bleke Baron\u201c vom Theater Kopergietery<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>von Valentina Frei <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Die Welt ist ein Laden und ein Laden soll laufen!\u201d, so lautet das Motto des Unterwasserstaates, der einer Diktatur nur zu \u00e4hnlich zu sehen scheint. Hier leben die zwei Musiker Felix, gespielt von Joeri Cnapelinckx, und Felka, gespielt von Anna Vercammen. Zusammen rebellieren sie gegen den Staat und werden in der aufkommenden Spannung immer mehr mit Gefahren durch Gesetze des auf der B\u00fchne nie zu sehenden Staatsoberhauptes, dem \u00fcberlegenen bleichen Baron konfrontiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf einer vom Staat gefertigten Liste stehen alle \u201cMinderwerte\u201d, vor allem Dichter und K\u00fcnstler, die nichts Besonderes zu leisten scheinen, und deshalb vermeintlich nicht in den Unterwasserstaat geh\u00f6ren. Die B\u00fcrger der Unterwasserstaates werden in zwischendurch eingespielten, propagandistischen Radiosendungen dazu aufgefordert, solche Personen zu melden. Felka ist als eine, die nicht im Unterwasserstaat geboren ist und als Musikerin sogar doppelt von der angedrohten Entfernung aus dem fiktiven Staat betroffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Laufe der Geschichte verschlimmert dich die Situation im Land und die Rechte der sogenannten Minderwerte werden immer mehr eingeschr\u00e4nkt. Im Land d\u00fcrften diese nur bleiben, wenn sie einen Nutzen bringen. Der Mensch wird hier also deutlich auf seine Leistung und N\u00fctzlichkeit reduziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber auch dass die Meinungsfreiheit in der Unterwasserwelt deutlich eingeschr\u00e4nkt ist, wird den Zuschauern von Beginn an vermittelt. So erinnern verschiedene Aspekte an einen typischen autorit\u00e4ren Staat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die geschickte Thematisierung von Entwurzlung, Diskriminierung und einem ungleichen Machtverh\u00e4ltnis zwischen Staat und Bev\u00f6lkerung in Kombination mit live gespielten Songs, die politische Texte haben, ist beeindruckend. Zus\u00e4tzlich bringen humorvolle Wortspiele ansprechende Kontraste zu dem ernsten Inhalt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Kinder im Publikum scheinen noch nicht mit solchen Themen konfrontiert worden zu sein, vielleicht ist die Kritik des St\u00fccks an autorit\u00e4ren Systemen aber f\u00fcr die Kleinen auch recht klar und verst\u00e4ndlich ohne p\u00e4dagogische Einordnung. Dennoch ist wichtig, dass sie bereits im Grundschulalter in Ber\u00fchrung damit kommen und sich der Relevanz von Menschenrechten und Demokratie bewusst werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zu Beginn interaktive Einbeziehung des Publikums sorgt vor allem unter den Kindern f\u00fcr Freude und Aufregung. Doch B\u00fchneneffekte, wie unerwartet aufleuchtendes Licht f\u00fchren zu Schrecken und Unbehagen unter den Kindern, die teils laute und rockige Musik wirkt sehr anregend und so herrscht immer wieder gro\u00dfe Unruhe im Publikum, die nicht immer leicht einzufangen ist von den Spielern und ihrer Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Parabel l\u00e4sst mit einem offenen Ende einen weiten Raum f\u00fcr eigene Interpretation und bringt den Zuschauer zum Nachdenken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht bringt das St\u00fcck mehr junge Leute dazu sich Gedanken dar\u00fcber zu machen, in welcher Gesellschaft wir jetzt und zuk\u00fcnftig leben wollen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Besprechung zu &#8222;18&#8217;34 &#8211; 18 Minuten 34 Sekunden&#8220; von Cie. Arcosm<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>von Ela F.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein lebendiges, aber zugleich auch ruhiges St\u00fcck: \u201e18\u201934\u201c erz\u00e4hlt von Eliot (gespielt von David Arribe) und seinem Leben, von der Zeit und den Werten, die ein wertsch\u00e4tzender Mensch hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Theaterst\u00fcck kombiniert energiereichen Tanz mit ruhigen Momenten, getragen von Eliots Monologen oder Dialogen mit anderen Figuren. Leider ist es sehr schlecht synchronisiert, die deutschen \u00dcbersetzungen folgen zeitversetzt auf die franz\u00f6sischen Originaltexte, sodass man dem St\u00fcck manchmal nur schwer folgen kann. Anfangs k\u00f6nnte man denken, es gehe um einen Mann, der von seiner Kindheit erz\u00e4hlt und davon, wie er als Sch\u00fcler gemobbt wurde. Die T\u00e4nzer spielen gemeine Sch\u00fcler, benutzen dabei bewundernswert ihren gesamten K\u00f6rper und bewegen sich geschickt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch nach der ersten H\u00e4lfte f\u00e4ngt man an, nur noch wenig zu verstehen. Von einem H\u00f6hepunkt ist leider auch nichts zu sp\u00fcren. Das Einzige, das den Puls h\u00f6herschlagen l\u00e4sst, ist der hektische Tanz \u2013 doch eher, weil dieser mittlerweile etwas erschreckend wirkt. Die T\u00e4nzer sehen bald Tollw\u00fctigen \u00e4hnlich. Ihre Augen sind weit aufgerissen und ihr Blick wirkt verstandlos.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durchatmen lassen einen die ruhigen Etappen und die s\u00e4uselnde Stimme von David Arribe, doch sein Text ist, wie gesagt, auch nur schlecht zu verstehen. G\u00e4nsehaut bereitete die Musik: mal tief und dr\u00f6hnend, mal melancholisch-instrumental, immer stimmungsvoll. Zum Schluss hin gibt es sch\u00f6ne Momente mit Licht, Musik und wiederum sch\u00f6nem Tanz \u2013 alles gut aufeinander abgestimmt. Dadurch entsteht zwar ein sch\u00f6ner Abschluss, doch wirklich befriedigend ist er nicht, denn es bleiben viele Fragen offen, trotz einer gelungenen schauspielerischen Leistung von David Arribe!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Besprechung zu &#8222;Ginger&#8220; von Nevski Prospekt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>von Ela F.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder hat ein Idol, Tr\u00e4ume und W\u00fcnsche, denen er nacheifert oder an denen er sich orientiert. Ives Thuwis hat auch einen Traum: Er m\u00f6chte noch einmal wie Ginger Rogers aus dem Film \u201eCheek to Cheek\u201c tanzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammen mit Jotka Bauwens durchlaufen beide einen Rollenwechsel nach dem anderen. Viele verschiedene Requisiten sind Hauptbestandteil der Vorf\u00fchrung, vor allem Klamotten und Accessoires. Mal sehen wir ein freiz\u00fcgiges Outfit, mal zieht sich Ives eine Glitzerhose \u00fcber den Kopf. Ihr Verhalten wirkt wie ein Katz-und-Maus-Spiel; sie jagen sich, sie necken sich, sie albern herum und haben Spa\u00df zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oftmals taucht Ginger Rogers mit ihrem Tanzpartner auf \u2013 projiziert auf verschiedene Fl\u00e4chen, nicht nur auf Leinw\u00e4nde, sondern auch auf Kleidungsst\u00fccke und sogar die Glatze von Ives Thuwis. Ives&#8216; Traum wird durch diese Projizierungen dem Publikum immer wieder ins Ged\u00e4chtnis gerufen. Das Publikum lacht h\u00e4ufig, das St\u00fcck erzeugt eine gute Stimmung. Die immer wieder wechselnde Musik h\u00e4lt diese Stimmung aufrecht und macht Lust zu tanzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ensemble wei\u00df, dass es eine enorme K\u00f6rperkontrolle hat und wie es sich zu bewegen hat. Es f\u00e4llt auf, dass Jotka oft in M\u00e4nnerrollen schl\u00fcpft und Ives in die von Frauen. Ein sch\u00f6ner Wachmacher: \u201eSei, wer du m\u00f6chtest!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ives&#8216; Traum erf\u00fcllt sich zum Schluss: Er tanzt genau wie Ginger in einem sch\u00f6nen, wei\u00dfen Federkleid. Jotka zieht ein Sakko an und ist Ives\u2019 Tanzpartner. \u201eGinger\u201c ist ein sehenswertes St\u00fcck, das zum Schmunzeln einl\u00e4dt!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">07.02.2024<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Festivaler\u00f6ffnung mit starken Themen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was f\u00fcr ein Start in die dreizehnte Ausgabe des Festivals Panoptikum! In den Festreden der N\u00fcrnberger Kulturdezernentin Julia Lehner, der ASSITEJ-Vorsitzenden Jutta M. Staerk und der Festivalleiterin Andrea Maria Erl ging es um \u00e4hnliche Themenbereiche: die Wichtigkeit eines Theaters f\u00fcr ein junges Publikum, die bedrohliche (welt-)politische Krisenlage, die finanzielle Untersubvention der Theaterk\u00fcnste und um die einmalige Situation, die in N\u00fcrnberg gegeben ist. Was Theater f\u00fcr ein junges Publikum kann, zeigte dann das gastgebende Theater Mummpitz in seiner Koproduktion mit der Cie. Gare Central aus Belgien und der ADK Bayern aus Regensburg. Agn\u00e8s Limbos, die Regisseurin, h\u00e4lt in Europa eine Spitzenposition wenn es darum geht, kleine Gegenst\u00e4nde \u2013 Plastikfiguren, kleine H\u00e4user \u2013 im Spiel zu animieren. Was zun\u00e4chst wie ein Spiel von (erwachsenen) Kindern mit kleinem Spielzeug daherkommt, wird pl\u00f6tzlich zu Handlungen zwischen Erwachsenen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In ihren Produktionen entwickelt Agn\u00e8s Limbos immer neue Variationen zu diesem Grundthema. In \u201eMemories\u201c sind am Anfang vier quadratische, rollbare Tische zu sehen, auf denen Requisiten ausgestellt sind wie eine Tasse, ein Vogel, eine Kaffeedose oder ein r\u00f6hrender Hirsch aus Porzellan. In diesen Requisiten verbergen sich die Geschichten von Menschen, die in Szenen mit einfachen Mitteln erz\u00e4hlt werden, eben die \u201eMemories\u201c. Es sind nicht immer gute Erinnerungen \u2013 z.B. bei dem Untergang der Titanic. Aber verbl\u00fcffend ist, mit welcher Leichtigkeit das Ensemble ihre Geschichten spielt und dabei ganz gro\u00dfe Emotionen beim Publikum entstehen, weil erst durch die Leichtigkeit eine Rezeption der eigentlich traurigen Erinnerungen positiv m\u00f6glich wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Toll, wie dieses Ensemble sich erg\u00e4nzt, zu einem spielerischen Flow findet und dabei einen genauen Spielrhythmus einh\u00e4lt. Schaurig sch\u00f6n ist das, was Michael Bang, Lennart Gottmann, Christine Mertens, Zo\u00e9 Neve und Sabine Zieser auf die B\u00fchne bringen. Jede(r) dieser Darsteller:innen spielt ihre Rollen leicht karikierend und doch so, dass man als Zuschauer emotional ergriffen wird. Toll! Ein toller Start in die dreizehnte Ausgabe von \u201ePanoptikum\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">08.04.2024<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gro\u00dfe Kunst aus Frankreich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am zweiten Tag des Festivals \u201ePanoptikum\u201c habe ich drei verschiedene Gruppen aus Frankreich gesehen. Um es vorweg zu nehmen, alle drei Inszenierungen entwickelten eine Magie, die mich fesselte und die mit ihren \u00e4sthetischen Konzeptionen \u00fcberzeugten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In \u201eUn ocean d\u2019amour\u201c f\u00fchrt die Cie. La Salamandre das Publikum in die Welt eines Archivs. Zwei M\u00e4nner in grauen Arbeitskitteln bauen beim Einlass und weit dar\u00fcber hinaus eine Menge an Papierschiffen. W\u00e4hrend Samuel Lepetit die Schiffe faltet, geht Christophe Martin mit einem roten Roller \u00fcber das Material, entfaltet dann das so gewalzte Papier zu einem Schiff. Daf\u00fcr erh\u00e4lt er jeweils einen anerkennenden Blick von seinem Partner, der ihn kurz anl\u00e4chelt, bevor es in die n\u00e4chste Produktion eines Papierschiffes geht: ein eingespieltes Team, das sich vertraut und in seinem Archiv wohl f\u00fchlt. \u201eUn ocean d\u2019amour\u201c arbeitet auf der schauspielerischen Ebene mit zarten Momenten einer Clownskomik, auf der Ebene des Materials mit allen m\u00f6glichen Formen des Papiers. Da werden die Schiffe immer kleiner, das Meer besteht aus Papierbahnen, die man wegziehen kann. Ein Ozeanriese erscheint als gro\u00dfes gemaltes Bild in einer Dokumentenmappe, ein geheimnisvolles Schiff wird aus dunkler Pappe aufgeklappt. Selbst die Umweltverschmutzung des Meeres wird mit alten, br\u00fcchigen Papiermassen dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentliche Handlung ist rasch erz\u00e4hlt. Monsieur f\u00e4hrt jeden Morgen zum Angeln, doch der Motor \u2013 lautmalerisch toll von Christophe Martin unterst\u00fctzt \u2013 f\u00e4ngt an zu stottern und f\u00e4llt ganz aus. Ein merkw\u00fcrdiges Schiff f\u00e4hrt \u00fcber sein Boot. W\u00e4hrenddessen wartet Madame. Auf der Suche macht sie auf einen Ozeanriesen eine Reise nach Kuba. Ihr Mann hat das Schiffsungl\u00fcck \u00fcberlebt, der Motor springt wieder an und er kehrt in ein leeres Zuhause zur\u00fcck. Als Madame von der Reise zur\u00fcck kommt, renkt sich alles wieder ein. Diese Geschichte ist entwickelt nach einem Comic von Gr\u00e9gory Panaccione und Wilfried Lupano, die von einer Odyssee in der Gegenwart erz\u00e4hlt. Zusammen mit ihren grandiosen Schauspielern mit ihrer pr\u00e4zisen Komik entwickelt Anne Raimbault in ihrer Regie eine anr\u00fchrende Geschichte mit zwei Flachfiguren (Monsieur und Madame) und vielen Schiffen aus Papier. Was besonders fasziniert am Spiel von Lepetit und Martin ist, wie sie untereinander Blickkontakt halten und gleichzeitig zu ihrem Material, das sie animieren. Toll gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in der Auff\u00fchrung \u201eAll die kleinen Dinge\u201c der Cie Blabla Production sind von Band Meeresrauschen und M\u00f6wenschreie zu h\u00f6ren. Das Ambiente des B\u00fchnenbilds erinnert an Strandgut , da sind nach vorne die aufgeschichteten Steinfiguren, ausgebleichte \u00c4ste liegen herum, eine Schaukel mit ihrem Ger\u00fcst (B\u00fchnenbild: S\u00e9bastien Rocheteau und Fabian Coulon). Daneben gibt es aber auch einen Koffer, Kannen oder eine Vase mit einer wei\u00dfen Blume. Am Anfang nimmt Fabian Coulon, der nicht nur spielt, sondern sich auch f\u00fcr Konzept und Regie verantwortlich zeigt, die Blume und tanzt mit ihr zu einer wundersch\u00f6nen Opernarie. In seinen Bewegungen mit der wei\u00dfen Blume erinnert Coulon an Marcel Marceau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser t\u00e4nzerischen Pantomime am Anfang folgen dann Aktionen, die an Materialtheater erinnern. Mit festem Seifenschaum zaubert er Figuren, wie beispielsweise ein kleines M\u00e4dchen, das auf der Schaukel sitzt. Coulon bewegt sich t\u00e4nzerisch durch den Raum und schafft \u00fcberall neue Figuren, l\u00e4sst auch Sand in einem engen werdenden Kreis herabrieseln: Fast alle Dinge, die im Raum sind, werden angespielt, geformt, auseinandergenommen und neu performt. Es entsteht dabei eine Bilderflut, die mit immer neuen \u00dcberraschungen arbeitet, bis er am Ende das Spiel mit der wei\u00dfen Blume wieder aufnimmt. Manchmal h\u00e4tte ich mir ein Innehalten gew\u00fcnscht, gew\u00fcnscht, dass ein Bild auch einmal l\u00e4nger f\u00fcr sich stehen bleibt. Fabian Coulon rei\u00dft einen mit. Und, wie er mit dem Seifenschaum zaubert, schafft starke poetische Momente.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dem Staunen komme ich auch bei \u201eFast im Nichts\u201c der Cie Manie nicht heraus. Am Anfang wird eine Sequenz immer wiederholt, ein Mann schl\u00e4gt auf einem Tisch ein Tuch aus, holt aus einem geheimnisvollen Untergrund Teller, Becher, Teel\u00f6ffel und eine Trinkflasche hervor, die zugleich wieder im Black verschwinden. Die Wiederholungen werden hektischer, pl\u00f6tzlich taucht ein Jonglierball auf, die Gestalten hinter dem Tisch ver\u00e4ndern sich, ein junger und ein \u00e4lterer Mann tauchen auf, vereinen sich und l\u00f6sen sich wieder auf: Es geht hier um einen Mann in den besten Jahren, gespielt von Vincent Regnar, der pl\u00f6tzlich in eine Lebenskrise ger\u00e4t, der im Augenblick weder seine Vergangenheit reflektieren kann noch Zukunftstr\u00e4ume hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber nun sind sie da, die drei Lebensphasen, aufgespalten in drei Figuren: den st\u00fcrmischen jungen Mann (Tom Neyret), den gegenw\u00e4rtigen orientierungslosen (Vincent Regnar) und den \u00c4lteren, dem Joel Colas die Z\u00fcge eines altersweisen Clowns gibt. \u201eFast im Nichts\u201c arbeitet dabei mit den Mitteln des neuen Zirkus: Akrobatische Nummern, Jonglage, die Arbeit mit dem Ring oder Balanceakte bestimmen die \u00e4sthetische Form, die eine gelungene Verbindung mit einer \u00fcberzeugenden Handlungsdramaturgie eingeht \u2013 was bei Auff\u00fchrungen des Neuen Circus selten ist. W\u00e4hrend der Mittlere vor sich zu fliehen versucht, stiften ihn die anderen zum Mittun an, Neyret z.B. zum Jonglieren mit B\u00e4llen, was Regnar immer noch besser kann. Wunderbar auch der Hilflosigkeit von Colas zuzusehen, wenn er sich im Reifen drehen will, aber erst einmal seinen Bauchspeck entdeckt. Dass ist mit Humor und leiser Selbstironie gespielt. Agn\u00e8s C\u00e9l\u00e9rier arbeitet in ihrer Regie mit \u00fcberraschenden Einf\u00e4llen, da verschwinden Jugend und Alter samt den vielen M\u00e4nteln des Seniors in einem gro\u00dfen Sessel und der Mittlere findet wieder zu seinen akrobatischen Nummern. Diese werden durch die harten Beats \u2013 es gibt auch melodi\u00f6se Musikstrukturen -, die das Trio Pierre Olivier Fernandez, Adrien Desse und Thomas Loyer geschaffen hat, vorangetrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Abend voller Zirkus, Dramatik, Gef\u00fchle und Poesie \u2013 was will man mehr? Das gilt auch f\u00fcr die beiden anderen Inszenierungen. Ein toller Festivaltag.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">08.02.2024<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Grandioses Schattentheater<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was Sarah Chaudon und Clara Palau y Herrero vom Tangram Kollektiv in \u201eSchattenwerfer\u201c auff\u00fchren, ist Schattentheater vom Feinsten. Zu Beginn der Vorstellung hocken sie am Boden und weisen das junge Publikum freundlich darauf hin, dass es in der Vorstellung Dunkel gibt, aber es auch wieder hell werden w\u00fcrde. Dann setzt sich Sarah Chaudon an ein kleines Harmonium und Clara Palau y Herrero sitzt an einem Tisch mit einer St\u00e4nderlampe, einer Kanne und einem Becher. Der kleine Spielraum ist von drei wei\u00dfen W\u00e4nden begrenzt. Im Strahl eines Lichts bekommen die Gegenst\u00e4nde ein Eigenleben, hinter der Wand wird alles gr\u00f6\u00dfer, bis am Ende sich die Objekte verselbst\u00e4ndigen und sich von ihren Spielf\u00fchrerinnen abl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden Spielerinnen spielen mit allen Mitteln des Schattentheaters. Sie spielen mit den unterschiedlichen Gr\u00f6\u00dfen zwischen dem, was vor den W\u00e4nden geschieht, und dem, was hinter den Leinw\u00e4nden stattfindet. Im Lichtkegel kleiner Lichtquellen wie Stabtaschenlampen entstehen immer neue M\u00f6glichkeiten. Da tanzen die Tassen hinter der Leinwand in der Luft, drohen abzust\u00fcrzen, fangen sich im n\u00e4chsten Moment ab, w\u00e4hrend vorne die Tasse ganz ruhig auf dem Tisch steht. Aus einem der Becher wird eine schmale, gummiseilartige Figur gezogen, die von beiden Spielerinnen \u00fcber den Tisch gef\u00fchrt wird und sich immer wieder dehnt. Gerne arbeiten dabei beide mit den Formen einer Spiegelpantomime, die gleich wieder gebrochen wird. Da f\u00fchrt vorne Clara Palau y Herrero ein Spiel mit dem Teel\u00f6ffel vor, den aber Sarah Chaudon hinter der Leinwand zu einem Fisch, dann zu einem Flugzeug verwandelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es sind diese \u00fcberraschenden Wendungen, die diese franz\u00f6sisch-deutsche Koproduktion auszeichnen. So verdreifacht sich einmal das Bild einer Spielerin durch einfache Fingerbewegungen: Sie macht das virtuos, mit einem kindlichen Staunen, das sich nicht nur auf das junge Publikum \u00fcbertr\u00e4gt. Wenn am Ende um eine gro\u00dfe runde Lichtquelle, eine kleine kreist, sich dann abl\u00f6st und durch den Raum schwebt, da f\u00fchlt man das Universum. Einfach grandios, was die Beiden vom Theater Tangram Kollektiv mit ihrer starken Ausstrahlung machen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">09.02.2024<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>K\u00f6nnen Deine Tr\u00e4nen schlafen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu \u201eEin Bettchen von Trost\u201c von Hanneke Paauwe und Het Lab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hanneke Paauwe ist eine wunderbare Theatermacherin. Eine ihrer St\u00e4rken sind poetische Installationen, die das Publikum aktiv miteinbinden. Dazu sucht die K\u00fcnstlerin R\u00e4ume, die nicht unbedingt Theaterb\u00fchnen sein m\u00fcssen. In N\u00fcrnberg hat man einen gro\u00dfen Saal im MAXI.kunst, einem ehemaligen Sparkassengeb\u00e4ude, das mittlerweile unter Denkmalschutz steht, gefunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man durch eine kleine T\u00fcre mit einem wehenden Vorhang den Raum betritt, erkl\u00e4rt Hanneke&nbsp; Paauwe jedem einzelnen Besucher die Spielregeln, wie er sich durch den Raum bewegen kann und gibt jedem eine Taschenlampe mit auf den Weg. Der Raum ist halb in Dunkel getaucht, wenn der Betrachter einen Gegenstand oder einen beschriebenen Zettel genauer studieren m\u00f6chte, dann bringt er die Schrift im Lichtkegel der Lampe zum Lesen. Schon der erste Blick beim Einlass zeigt eine faszinierende Vielfalt. Gleich am Anfang winkt ein Feld von hohen Graspflanzen, woran Zeichnungen h\u00e4ngen, in denen Kinder ihre Lieblingsmenschen oder -tiere aufgemalt haben. Dar\u00fcber schweben engelhaft wei\u00dfe, durchsichtige Plastik-Capes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paauwe ist eine Konzeptk\u00fcnstlerin, die mit Fragen wie \u201eWie lange h\u00e4lt Traurigkeit an?\u201c, \u201eK\u00f6nnen Deinen Tr\u00e4nen schlafen?\u201c oder \u201eWenn der Tod ein Mensch w\u00e4re, den ihr alles Fragen k\u00f6nntet, was w\u00fcrdet Ihr wissen wollen?\u201c ihr Publikum zur aktiven Teilhabe auffordert. Sie ordnet Fragen jeweils einzelnen Stationen des von ihr gestalteten Parcours zu. Das Zentrum beherrscht das Feld der Graspflanzen, dazu h\u00e4ngen Zweige im Raum. An zwei Seiten des Raums sind f\u00fcnf \u201eBoxen\u201c angeordnet. Die erste wird dominiert von einer golden ausgeschlagenen Liege, daneben ein Tisch, auf denen zwei alte Schreibmaschinen stehen, auf denen das Publikum eigene Seiten tippen kann \u00fcber Erinnerungen an eine tote Person. In der n\u00e4chsten Abteilung laden Baukl\u00f6tze und \u00e4hnliches Material zum Bauen ein. Die anderen \u201eBoxen\u201c sind sehr poetisch gestaltet, da h\u00e4ngen farbige Glasdekorationen, auf Borke liegt eine Art Kondolenzbuch oder Murmeln sind auf dem Boden verstreut, w\u00e4hrend dunkelgef\u00e4rbte Glasscheiben u.a. mit Kinderportr\u00e4ts auf Notenst\u00e4ndern liegen. \u00dcberall auch h\u00e4ngen DIN-A-4-Zettel mit Fragen, die auf dieser Station zur Diskussion gestellt werden, und viele Zettel, auf denen Kinder wie Erwachsene ihre Antworten notiert haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der rechten Seite l\u00e4dt erst einmal eine Installation mit erleuchteten Flaschen ein, \u00fcber denen wei\u00dfe T\u00fccher schweben. Daneben werden auf eine gro\u00dfe Leinwand Baumlandschaften projiziert. Darunter kann sich das Publikum auf f\u00fcnf flachen Liegen ausruhen und auf einer weiteren Station seine Eindr\u00fccke handschriftlich notieren. In einem Nebenraum, der von einer Glocke dominiert wird, liegen viele Zwiebeln auf den Boden und in gro\u00dfen Glasgef\u00e4\u00dfen verschiedene Essen. Zwiebeln waren einmal Symbol f\u00fcr die Ewigkeit. In der letzten Abteilung wachen zwei von Efeu umschlungene R\u00e4ume aus Gummistiefeln. Das Tolle an dieser Installation ist, dass man alle diese Bilder in sich aufnehmen und genie\u00dfen kann, zumal sie etwas Ritualhaft-Geheimnisvolles haben \u2013 und einfach sch\u00f6n sind. Diese Sch\u00f6nheit ist umso reizvoller, wenn man das Angebot zur Teilhabe annimmt. Bedeutet diese Aktivit\u00e4t doch ein Innehalten, eine Chance \u00fcber Tod und \u00fcber das Leben nachzudenken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hanneke Paauwe ist das Kunstst\u00fcck gelungen, ihr Publikum mit einem tabuisierten Thema \u2013 den Tod \u2013 zu konfrontieren und es gleichzeitig mit gro\u00dfer Leichtigkeit zu einer eigenen Auseinandersetzung mit diesem Thema zu verf\u00fchren. In der Tat hat diese Installation auch etwas Tr\u00f6stliches, wie der Titel verspricht: \u201eEin Bettchen von Trost\u201c.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">09.02.2024<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn die Welt gr\u00fcn wird<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klaipeda Puppet Theatre\/Item Ensemble: The Big Bang<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere Gesellschaft erstickt an Elektro- und Computerschrott. Einiges wird aufbereitet zu neuem Material, vieles aber wird zum M\u00fcll, der immer mehr die Erde \u00fcberzieht und Lebensr\u00e4ume einschr\u00e4nkt. Die Macher vom Klaipeda Puppet Theatre aus Litauen haben eine Antwort: Sie verwandeln in ihrem Objekttheater St\u00fcck \u201eThe Big Bang\u201c Elektrom\u00fcll zu einem faszinierenden Spielmaterial. Der Raum von Ausra Bakanait\u00e9 wird von einer gro\u00dfen Leinwand dominiert. Markanter aber sind gro\u00dfe E-Schrottinseln links und rechts, sowie eine kleine in der Mitte. Per Livevideo (Kestutes Bruckus) werden die kleinen Aktionen auf der Leinwand gro\u00df ausgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;Detailverliebt bauen Monika Mikalsuskait\u00e9-Bauzien\u00e9 und Vytautas Kairys zun\u00e4chst aus einem Kabelsalat kleine Figuren, die sich bek\u00e4mpfen m\u00fcssen. Erst dann beginnt die eigentliche Geschichte: Ein Roboter aus Kabeln und einem Kopf aus einem quadratischen elektronischen Bauteil &#8211; ich bin kein Computerfreak, da fehlen mir die Fachausdr\u00fccke \u2013 und einen aus einer Batterie gebauten Hund \u2013 wandern durch das Universum. Aus den Schalttafeln der Computer entsteht aus der Luftperspektive eine Stadt mit rauchendem Meiler, Wohnh\u00e4usern und Fabriken, die, obschon im Video alles t\u00e4uschend echt aussieht, ausschlie\u00dflich aus Ankerspulen, Modulen und anderen elektronischen Bauteilen besteht. Da kommt das Publikum nicht aus dem Staunen heraus. Und, obwohl das Ensemble in seinen Dialogen Litauisch spricht, hat man durch die starken Bilder das Gef\u00fchl, alles zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Regie von Zvi Sahar erfindet f\u00fcr diese Reise von Roboter und Hund immer neue Situationen. Dazu hat Kobe Shmueli eine dramatische Musik komponiert, die mit Filmmusikthemen spielt. Der Wechsel von Spielorten wird derart vorbereitet, wenn der Hund in ein Loch f\u00e4llt und sich in einer unbekannten, dunklen Welt bewegen muss, bis er sein Roboterherrchen wieder findet. Dann passiert die Katastrophe: es beginnt zu regnen. Wie sollen sich Metalle und Module sch\u00fctzen? Keine Sintflut kommt, sondern die Welt wird \u00fcberwuchert vom Gr\u00fcn, in dem der E-Schrott verschwindet. Wenn es denn so einfach w\u00e4re! Anregend ist \u201eThe Big Bang\u201c allemal. Die Kreativit\u00e4t der Macher im Umgang mit ihrem Material regt zu eigener Aktivit\u00e4t an.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">09.02.2024<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von der Wichtigkeit einer Haltung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Theater Sgaramusch: Rosa<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der szenische Raum hat den Charakter eines Spielzimmers. An Garderobenteilen h\u00e4ngen die verschiedensten Puppen, kleine und gro\u00dfe, ein Pl\u00fcschhund auch, der sp\u00e4ter als Katze angespielt wird. \u00dcber diesen thront an einer langen Stange eine wei\u00dfe Taube, die leitmotivisch durch das St\u00fcck gef\u00fchrt wird. Ein Pappschloss mit zwei Zinnen f\u00fcr die Kaiserburg, das noch einmal kleiner im Bild erscheint, markieren herrschaftliche Atmosph\u00e4ren. Das Plattencover von Chopins S\u00e4mtliche Klavierwerke verdeckt eine kleine Ton- und Lichtanlage. Und vorne fast am B\u00fchnenrand steht ein Plastikeimer, der die Spree in Berlin symbolisiert, der Fluss, in den die 1919 ermordete Rosa Luxemburg \u2013 in der Inszenierung symbolisiert durch ein Tuch &#8211; geworfen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eRosa\u201c der Schweizer Gruppe Theater Sgaramusch erz\u00e4hlt die Geschichte der Rosa Luxemburg (1871 \u2013 1919). Wer bei Wikipedia \u00fcber diese politische wie sensible Frau nachschl\u00e4gt, erstickt schier an der Vielfalt der Informationen. Von daher ist die Entscheidung des Ensembles nachzuvollziehen, sich auf die Kindheit und auf die Z\u00fcricher Episode ihres Studiums und die Freundschaft zu Leo zu konzentrieren. Um es f\u00fcr Kinder ab f\u00fcnf Jahren eindr\u00fccklich zu erz\u00e4hlen, wird im Spiel Haltung gefordert: Es geht um ein junges M\u00e4dchen, das sich mit den Ungerechtigkeiten in der Welt nicht abfinden will. Trotz aller drakonischen Strafma\u00dfnahmen l\u00e4sst sie sich nicht einsch\u00fcchtern und erhebt ihre Stimme. Das wird in den verschiedenen Situationen vorgef\u00fchrt, im Polen ihrer Kindheit, in Z\u00fcrich, in Berlin. Letztendlich bleibt sie bis zum Schluss das kleine Schulm\u00e4dchen, das die Aufteilung der Welt in Arm und Reich, sowie den Unterschied von Gerechtigkeit und Recht nicht akzeptieren will und kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nora Vonder M\u00fchll und Stefan Colombo w\u00e4hlen zusammen mit der Regie von Corsin Gaudenz die klassische Form des Erz\u00e4hltheaters. Dessen Strukturen werden bis hin zur Publikumsbefragung \u201eWas ist Dir wichtig?\u201c im Spiel vorgef\u00fchrt. Historisch sind Erz\u00e4hl- und Figurentheater eine enge Verbindung eingegangen \u2013 wie in \u201eRosa\u201c. Rosa und Leo sind Klappmaulpuppen, die gr\u00f6\u00dfer als die anderen Figuren sind (mit Ausnahme des Hundes als Katze): Der Kaiser ist eine Handpuppe, wie man sie aus dem Kasperletheater kennt, die Proletarier sind Wollpuppen, die in ihrem Kampf auf den Boden geschmettert werden. Weil die Klappmaulfiguren gr\u00f6\u00dfer sind als die anderen, ziehen sie allen Fokus auf sich. Aber der Kaiser als Handpuppe? Das wirkt trotz des Stimmeneinsatzes von Stefan Colombo verharmlosend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nora Vonder M\u00fchll und Stefan Colombo setzen zur Verlebendigung ihres Stoffes viele Mittel ein. Es fliegt die wei\u00dfe Taube als Friedensvogel, es spielt z.B. Vonder M\u00fchll auf der Trompete die Internationale. Am erz\u00e4hlten Beispiel einer starken Frau versuchen sie ihr Kinderpublikum zu eigenem Handeln zu verf\u00fchren. Es geht in dieser Inszenierung nicht um die historische Figur, sondern diese m\u00f6chte die Haltung der Heldin an das Publikum weiterreichen, ermutigen, Fragen zu stellen und dar\u00fcber nachzudenken, was mir in dieser Gesellschaft wichtig ist. Diese Haltung kann Kindern nicht fr\u00fch genug vermittelt werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">10.02.2024<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Welt &#8211; ein Laufband<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eRunners\u201c von Cirk La Putyka<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In \u201eRunners\u201c von Cirk La Putyka aus Prag geht es um Schnelligkeit. Gef\u00fchle gibt es einzig im Geschwindigkeitsrausch. Aber innerhalten? Vier junge Menschen \u2013 zwei Frauen und zwei M\u00e4nner \u2013 erz\u00e4hlen an Mikrofonen von ihren Flows und St\u00fcrzen. Wie mit dem Fahrrad einen steilen Hang hinunter sausen, wie sie im Krankenhaus landen und wieder aufstehen, um weiter zu machen. Dazwischen springen die Vier auf ein Laufband, das sich in unterschiedlichen Tempi bewegt (ein Maschinist steht mit dem Steuerungsger\u00e4t mit auf der B\u00fchne), rennen mit und gegen die Richtung des Bandes, k\u00e4mpfen miteinander, formieren sich zum Schluss hin zu einem Wettkampf: Wer wird die\/der Erste?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Szenerie von Pavla Kamanov\u00e1 dominiert das diagonal die B\u00fchne querende Laufband. Im Hintergrund sind im Halbdunkel Tische hinter Plexiglasw\u00e4nden zu erkennen, vorne links stehen vier Mikrofone, der Ort, wo das Ensemble seine Geschichten erz\u00e4hlt, bevor es wieder auf das Laufband springt. \u201eRunners\u201c hat den Charakter einer Nummernrevue, die durch das Laufband, die um die Geschwindigkeit kreisende Geschichten und die Live-Musik zusammengehalten wird. Grandios was die Violinistin Veronika Linhartov\u00e1 und der Multi-Instrumentalist Jan \u010ctvrtnik musikalisch draufhaben, von melodisch einschmeichelnden Melodien, bis zum harten Sound einzelner wie Hammerschl\u00e4ge niedersausender Akkorde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In \u201eRunners\u201c verbinden sich Musik und Geschichten mit den Mitteln des neuen Zirkus. Mit bewundernswerter Energie und starker Physis demonstriert das Ensemble nicht nur einen schwei\u00dfauftreibenden \u201elaufenden\u201c Auftritt auf dem Laufband, sondern dar\u00fcber hinaus auch noch einzelne akrobatische Aktionen. W\u00e4hrend Aneta Bo\u010dkov\u00e1 als junge Frau in Blau und \u0160\u00e1rka \u0158ihov\u00e1 als Frau in Wei\u00df rennen und rennen, f\u00fchrt Jakub Slov\u00e1k eine Fahrradnummer vor. Ethan Law gl\u00e4nzt mit dem Cyr-Rad auf dem Laufband. Ein starker, ein unterhaltsamer Abend, der an das Publikum eine Frage richtet: Wozu immer rennen? Die Inszenierung von Rostislav Nov\u00e1k Jr und Vit Neznal gibt einen vorsichtigen Hinweis: Der Flow, der dabei entsteht, rei\u00dft einen mit \u2013 l\u00e4sst einen auch abst\u00fcrzen. Wer nicht mith\u00e4lt, muss in einer solchen von Schnelligkeit gepr\u00e4gten Gesellschaft untergehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">11.02.2024<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein Dorf ganz weit im Norden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu \u201eAngenommen, Du h\u00e4ttest ein tragbares Grammophon\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt Auff\u00fchrungen, die sind so zart, so sch\u00f6n, dass einem die Worte fehlen, um sie zu beschreiben. Das trifft um so mehr zu, wenn auf der B\u00fchne ein Ensemble mit starker, ja \u2013 ich traue mich kaum, dieses Wort zu benutzen \u2013 auratischer Pr\u00e4senz agiert wie in \u201eAngenommen, Du h\u00e4ttest ein tragbares Grammophon\u201c, eine Koproduktion der d\u00e4nischen Gruppen Teatret Gruppe 38, Teatret Moellen, Carte Blanche und teater2tusind. Bodil Alling, Peter Seligmann und Connie Tronbjerg sitzen w\u00e4hrend der gesamten Vorstellung an einem langen Tisch. Nur eine szenische gro\u00dfe Aktion gibt es, einmal wird der Tisch hochgefahren (und wieder runter), aber auch da bleiben die Darsteller:innen auf ihren St\u00fchlen hocken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Worin besteht das Geheimnis? Wenn man mit klassischen Begriffen zu analysieren versucht, dann herrscht die Struktur des Erz\u00e4hltheaters. In \u201eAngenommen, Du h\u00e4ttest ein tragbares Grammophon\u201c wird eine Geschichte mit einer ganz eigenen Atmosph\u00e4re erz\u00e4hlt. Wenn das Publikum hereinstr\u00f6mt, schauen die Drei es neugierig-freundlich an, dabei haben alle drei die gleiche&nbsp; (k\u00f6rperliche) Haltung. Wenn das Licht im Zuschauerraum ausgeht, beginnt Bodil Alling sich freundlich zuzuwenden: \u201eStell dir vor, du h\u00e4ttest einen Klumpfu\u00df. Dann k\u00f6nntest Du auf einem Bein stehen und viel h\u00f6her sehen.\u201c Es folgen weitere \u201eStell dir vor\u201c: Unauff\u00e4llig \u00f6ffnen die Spieler:innen dem jungen und alten Publikum einen Vorstellungsraum. Deshalb braucht es nur ein paar Baukl\u00f6tze, um die kleine norwegische Stadt ganz hoch im Norden in einem einsamen Tal gelegen zu symbolisieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alling, Seligmann und Tronbjerg lassen es zu, dass das Publikum sich mit seiner Fantasie die erz\u00e4hlte Welt in Bilder umsetzt. Dabei hilft, dass das Ensemble mit Wiederholungen arbeitet. Nicht nur das \u201eStell dir vor\u201c wird leitmotivisch eingesetzt, sondern auch bestimmte Eigenarten der Stadtbewohner werden immer wieder betont: Sie leben von Stockfisch und Bierbrot, sonntags gehen sie zur Kirche und singen, dabei schauen sie immer auf den Boden. In dieser dumpfen Beharrlichkeit lebt die lebenslustige Viola, die bei dem alten Henry mit seinem Grammophon eine andere Welt kennenlernt. Als dieser eines Tages stirbt, steht das Haus leer , bis Madame L\u00fcdh ankommt. Diese ist in einem fernen Land vor dem Feuer geflohen. Sie und Viola freunden sich an, bis Madame, nachdem sie Geld geerbt hat, wieder verschwindet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie kommt mit vielen Paketen zur\u00fcck. Sie bereitet den Dorfbewohnern ein Festessen aus der Haute Cuisine. Eigentlich haben sich die, die nur von Stockfisch und Bierbrot leben, verabredet, zwar zu erscheinen, aber nicht zu kosten. Aber mit dem ersten k\u00f6stlichen Bissen schwindet der Widerstand. Auch Integration kann durch den Magen ausgedr\u00fcckt w\u00fcrden, zumal wenn die Kl\u00e4nge eines Wiener Walzers beschwingen. Dann macht sich Viola auf die Reise in die fremde Welt\u2026 Begriffe, wie Integration oder Angst vor dem Fremden werden im von Bodil Alling verfassten Text nicht benutzt. Sie begn\u00fcgt sich mit der Beschreibung von Handlungen, deren Wertung sie dem Publikum \u00fcberl\u00e4sst. Neben der dem Publikum zugewandten Freundlchkeit ist das eine der St\u00e4rken dieser Auff\u00fchrung. In seiner Regie sch\u00e4rft Hans R\u00f6nne noch diese Haltung, er l\u00e4sst die Drei kleine gemeinsam Gesten machen, die genau gesetzt sind. Alling, Seligmann und Tronbjerg lassen das Publikum sp\u00fcren, dass sie ihre Figuren lieben und ihr Publikum lieben. Ist das das Geheimnis?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der panoptikum Festivalblog Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen Festivalblog. 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